Zur Erklärung der Farbenblindheit aur der Theorie der Gegenfarben / von Ewald Hering.
- Hering, Ewald, 1834-1918.
- Date:
- 1880
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Credit: Zur Erklärung der Farbenblindheit aur der Theorie der Gegenfarben / von Ewald Hering. Source: Wellcome Collection.
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![sammengemischt nur gelbe Empfindung geben; wäre aber die rothe Valenz des einen Gemisches etwas grösser oder kleiner, als die grüne des andern, so würde das aus beiden resultirende Gelb entsprechend ins Rothe oder ins Grüne stechen müssen. Nimmt man homogenes Licht von demselben Farbentone, welchen ein gegebenes Strahlgemisch zeigt, gibt ihm solche In- tensität, dass es genau gleich grosse farbige Valenz hat, wie das Strahlgemisch, und setzt ihm ferner neutrales d. i. weisses Licht von solcher Intensität zu, dass hierdurch seine weisse Valenz gleich der weissen Valenz jenes Strahlgemisches ist, so erscheinen beide Lichter, das ursprünglich gegebene und das nachträglich zusammen- gesetzte ganz gleich. Man kann sich also eine gegebene Pigment- farbe ersetzt denken durch homogenes Licht von demselben Farben- tone, dem eine bestimmte Menge weissen Lichtes zugesetzt ist. Nur'Pigmente von einem liicht im Spectrum vertretenen Farben- tone erfordern hiezu zwei homogene Lichter. Demnach gelten für die Mischung von zwei zusammenge- setzten Lichtern oder von Strahlgemischen ganz dieselben Gesetze, wie für die Mischung homogener Lichter, und diese Gesetze be- herrschen ebensowohl die Farbenmischung auf dem Farbenkreisel als die Mischung von Spectralfarben. Es ist nicht nothwendig, dass zwei homogene (oder zwei gemischte) Lichter, welche gegenfarbig äquivalent sind, uns auch genau gegenfarbig erscheinen. Suchen wir z. B. zu einem Grun, welches uns weder ins Blaue noch ins Gelbe zu stechen scheint, ein Roth, welches mit jenem Grün gemischt Grau oder Weiss gibt, so braucht dies Roth uns nicht ledigUch roth zu erscheinen, sondern kann für uns vielleicht ins Blaue stechen. Dies hat wohl seinen Grund theils darin, dass die allgemeine Beleuchtung nicht wirklich farblos und die Netzhaut nicht genau neutral gestimmt ist, theils darin, dass kleine Zumischungen einer Farbe zu einer andern stark vortretenden sehr verschieden leicht gesehen werden, ]e nachdem noch ausserdem die weisse oder schwarze Emptindim mehr oder minder energisch in dem Empfindungsgemisch enthalte ist. Man müsste einerseits bei genau derselben Beleuchtung be liebig lange untersuchen, andererseits der Beleuchtung beliebig farbige Valenzen geben können, um über alle die hier m Betrach kommenden kleinen Abweichungen sichern Aiifschluss zu gewinnen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21634890_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)