Untersuchungen über Trichina spiralis. Zugleich ein Beitrag zur Kenntniss der Wurmkrankheiten / von Rudolf Leuckart.
- Leuckart, Rudolf, 1823-1898.
- Date:
- 1866
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Credit: Untersuchungen über Trichina spiralis. Zugleich ein Beitrag zur Kenntniss der Wurmkrankheiten / von Rudolf Leuckart. Source: Wellcome Collection.
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![dass dieser Parasit zu Millionen, in einer bisher also ganz unerhörten Menge, den mensch- lichen Leib bewohnte. Die Owen'sehe Beschreibung ging in fast alle gelehrten Zeitschriften über*) und bewirkte, dass von jetzt an bei den Sectionen, namentlich auf den anatomischen Theatern, eifrigst nach dem interessanten Parasiten gesucht ward. Die Beobachtungen mehrten sich^ zunächst in England, der Art, dass bereits am Ende des folgenden Jahres über unseren Wurm nicht weniger als fünf verschiedene Mittheilungen vorlagen, von denen manche sogar über mehrere [die von Harrison**) z. B. über 6] Fälle berichteten. Durch diese Beobachtungen fand zunächst die Angabe von Owen ihre Bestätigung^ dass sich das Vorkommen der Trichinen ausschliessHch auf die quergestreiften Rumpfmuskeln beschränke. In den sog. unwillkürlichen Muskeln wurde niemals ein Wurm gefunden, selbst dann nicht, wenn die gesammte übrige Muskulatur damit durchsäet war. Eine besondere Beziehung zu Alter und Geschle(!ht schien sich nicht herauszustellen. Ebensowenig konnte ein Zusammenhang mit der Todesursache der betreffenden Individuen (Schwindsucht, Knochen- frass, Nierenentartung u. s. w.) nachgewiesen werden. Nur in einem einzigen, damals jedoch nur wenig beachteten Falle stieg dem Beobachter (H.Wood in Bristol) der Verdacht auf, dass die mit Lungen- und Herzbeutelentzündung combinirten rheumatischen Leiden, die nach dreiwöchentlicher Dauer den Tod herbeiführten, durch den Parasitismus der Trichinen bedingt wären***). Und dieser Fall verhielt sich auch insofern abweichend, als die Kapseln im Umkreis der Würmer nicht nachweisbar waren f), obwohl diese doch sonst nicht bloss überall leicht in die Augen fielen, sondern sich auch gewöhnlich durch eine grosse Festig- keit auszeichneten. Einen nähern Aufschiuss über die Natur der Trichinen lieferte von allen diesen Mit- theilunfen nur eine einzige, und diese verdanken wir den Untersuchungen des auch sonst den Zoologen wohlbekannten A. Farreff). Nach den Ansichten Owen's sollte sich unser Entozoon durch die Einfachheit seines Baues (Mangel eines vollständigen Darmapparates u. s, w.) an die niedrigsten Ihierischen Geschöpfe anschliessen und nur durch seine Lebensweise mit den Helminthen übereinstimmen. Dieser Annahme gegenüber dürfen wir es als einen bedeutungsvollen Fortschritt betrachten,, als Farre durch die Entdeckung einer complicirten innern Organisation den Nachweis lieferte, dass der Zusammenstellung unseres Parasiten mit den übrigen Eingeweidewür- mern und namentlich den in äusserer Form so nahe verwandten Spul- oder Rundwürmern in morphologischer Beziehung Nichts im Wege stehe. Es gelang den Untersuchungen des geschickten Beobachters nicht bloss, einen Darmkanal nachzuweisen, der geraden Weges den Körper des Wurmes durchsetzte und sich in drei auf einander folgende Abschnitte *) In Deutsehland z. B. in Müller's Archiv für Anat. und Physiol. 1835. S. 526, Froriep's Notizen 1835- N. 962, Schmidt's Jahrbücher für die gesammte Medicin 1836. IX. S. 376, Oken's Isis 1837, S. 236. **) Dublin Journal 1835. Nr. 22. ***) London med. Gazette 1835 p. 190, Froriep's Notizen 1836. N. 975, Schmidt's Jahrbücher 1836- X. S. 50. t) Wood zog daraus allerdings nicht den Schluss, dass die Kapseln in seinem Falle gefehlt hätten, sondern; glaubte vielmehr seinen Befund durch den Mangel einer gehörigen Geschicklichkeit im Präpariren erklären zu müssett („my manipulation was not sufficiently skilful for the dissection of the cysti), allein das thatsächliche Verhalteiv •wird durch solche Deutung natürlich nicht im Geringsten geändert. tt) London med. gaz. 1835. p. 385 oder Froriep's Notizen 183G. N. 1035. Mit Abbild.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21365465_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)