Die statik und mechanik der quadrupeden an dem skelet und den muskeln eines lemur und eines choloepus / erläutert von dr. Johann Christian Gustav Lucae.
- Lucae, Johann Christian Gustav, 1814-1885.
- Date:
- 1883
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die statik und mechanik der quadrupeden an dem skelet und den muskeln eines lemur und eines choloepus / erläutert von dr. Johann Christian Gustav Lucae. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
22/154 (page 14)
![muss ich den Physiologen und dem Experiment überlnssen. Soviel ist übrigens gewiss, dass auf dieser »Verkoppelung« der Gelenke, wie sie Langer nennt, und wie sie auch an der Vorderextreinität sich findet, das wichtigste Moment der Gehbewegung beruht. Da wir für die Ortsbewegung nur die Hinterextremität als die durch Strecken, durch Ansfämmen wirkende »active«, die Vorderextremität als die stützende, als die mehr »passive« ansehen müssen, so wollen wir zunächst die erste in Betracht ziehen. Hinterextremität. Beginnen wir mit dem Moment, wo das rechte Hinterbein nach vollendeter Streckung den Boden zu verlassen im Begriff ist und dem linken die Körperlast aufgebürdet wird. Letzteres hat nach vollendeter Schwingung bei erschlafften Gelenken und vollendeter Pendelung mit den Metatarsusköpfen den Boden erreicht. Die durch die gewonnene Stütze und die Körperlast in Thätigkeit versetzte Extremität ist zunächst durch die Elasticität der Muskeln vor dem Einsinken bewahrt. Durch den von hinten erhaltenen Stoss setzt die Elasticität in die Contraction um und nun beginnt diese auf die Gelenke in sich steigernder Progression zu wirken. Zuerst stemmen sich die Metatarsen und die Zehen, durch die Flexoren der Planta und der Hinterseite des Unterschenkels (N. tibialis) genöthigt, auf den Boden. Von hier ausgehend wird der Fuss hinten gehoben, wobei der Tibialis posterior und Peronaeus longus durch N. peronaeus angeregt wirken. Die auf der Dorsalscite des Fussrückens liegenden Zehenstrecker, durch das Beugen ihrer Zehen gespannt, helfen den Unterschenkel nach vorn neigen, wobei das Knie sich biegt. Durch das Streben des Knies einzusinken, erwacht die Contraction der Vasti und des Cruralis, diesen folgt der Rectus (N. Cruralis). Der Oberschenkel wird aufgerichtet, noch mehr geschieht das durch die jetzt folgende Contraction der Glutaei. Zum Schluss der Be- wegung aber treten von oben Biventer, Semiraembranosus, Semitendinosus (Ischiaticus) ein und tragen die Pfanne über den Unterstützungspunkt der ]\Ietatarsen hinaus, während von unten die Gastrocnemii, die Streckung des Kniees und damit die Streckung der ganzen Gliedmaasse vollenden. So dreht sich denn auf dem Mctatarsusköpfchen die Extremität in einem senk- rechten Bogen, wie die Üadspeiche um ihre .\xe, und trägt ihr Becken nach vorn. Letzteres hat sich auf der rechten Seite durch die Muskeln der linken Hüfte und des lig. teres gehoben. Jetzt aber treten, durch den letzten Angriff der vom Sitzbein kommenden Muskeln stark ausgedehnt, der Sartorius und der Ti'usor fasiiac in Action, schnellen zusammen, verkürzen die Extremität und leiten die Pendelschwingung des linken jetzt ersclilaiften Beines ein. Nach kurzer Erholung und vollendeter Schwingung beginnt die frühere Arbeit.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21214359_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)