Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses / von Leopold Landau.
- Landau, Leopold, 1848-1920.
- Date:
- 1889
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Credit: Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses / von Leopold Landau. Source: Wellcome Collection.
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![t 7] Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses. 2425 terung des Uterus notwendig. Freilich giebt es wuchernde Neubil¬ dungen, bei welchen wir uns mit Untersuchung von Schleimhaut plus unterliegender Muskularis nicht aufzuhalten brauchen, wenn z. B. Trüm¬ mer morscher Carcinombildung aus dem Körper des Uterus schon beim Einfuhren des kleinsten Löffels herausfliegen, und ein einfaches Quetsch¬ präparat schon die histologische Struktur eines Alveolär-Carcinoms erkennen lässt. Auch dann können wir uns mit blossen Schleimhautpräparaten be¬ gnügen, wenn die Wucherung der Epithelien in den Drüsen über die Grenze derselben hinausgehend schrankenlos in das Zwischengewebe ein¬ bricht. Doch ist wegen der gerade hier vorkommenden Trugbilder be¬ sondere Vorsicht in der Beurteilung notwendig. Allein in der Regel han¬ delt es sich da, wo wir an das Mikroskop appelliren, nicht um so vorgeschrittene Fälle, sondern um zweifelhafte, und in diesen giebt die mikroskopische Untersuchung von blossen Schleimhautpartikelchen oft auch keine sichere Entscheidung. Durch die Lehre aber, ohne Erweiterung des Uterus aus mikroskopi¬ scher Untersuchung ausgekratzter Schleimhaut allein zu diagnosticiren und zu behandeln gerathen wir in ein schweres Dilemma. Ergiebt ein ausge¬ kratztes Schleimhautpartikelchen das Bild eines Adenoms, so soll nach den oben angeführten Lehren, w^enn es sich um einen Polypen handelt, die Entfernung des Polypen vorgenommen werden; bei dem ausge¬ sprochenen diffusen Adenom jedoch die Exstirpation des Uteruskörpers1). Aber wie soll man in allen Fällen ohne Abtastung der Uterusinnen¬ fläche erkennen, ob die Schleimhaut diffus oder cirkumskript erkrankt ist, da doch die Bilder beider Zustände auf den minimalen mikroskopi¬ schen Schnitten keine Differenz bieten und beide Erkrankungen sich that- sächlich nur makroskopisch unterscheiden! In einen ähnlichen Conflikt würden wir, wenn wir blos durch die mikroskopische Untersuchung ausgekratzter Schleimhaut uns leiten Hessen, bei denjenigen Befunden kommen, welche uns ein Sarkom der Uterusschleimhaut aufweisen, Bilder, welche »so ähnlich den bei gut¬ artigen endometritischen Prozessen mit starker kleinzelliger Infiltration des interglandulären Gewebes sind«, dass sie, wenn man nicht das ganze Organ zur Verfügung hat, nur schwer oder gar nicht zu differenziren sind. Ich gebe Rüge ganz recht2), dass man sich hüten soll auf Grund solcher mikroskopischen Diagnosen einen Uterus zu exstirpiren, aber eben so vorsichtig soll man bei der Beurteilung hyperplastischer Pro¬ zesse an den Drüsen-Epithelien (Ruge’s beginnendem Carcinom) 1) »Die polypösen Formen des Adenoms behandelt man, wie andere Polypen auch.« — »Dem ausgesprochenen diffusen Adenom kommt jedenfalls eine so maligne Bedeutung zu, dass es die Exstirpation des Uteruskörpers rechtfertigt.« 1. c. S. 390 u. 391.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30583925_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)