Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses / von Leopold Landau.
- Landau, Leopold, 1848-1920.
- Date:
- 1889
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Credit: Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses / von Leopold Landau. Source: Wellcome Collection.
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![f 5] Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses. 2423 Vertrauen auf die mikroskopische Diagnose gehandelt und nicht er¬ fahren haben, dass diese mitunter trügt, würden der Sache in hohem Maasse dienen, wenn sie ihre positiven Erfahrungen publicirten. Das dürfte die Minorität sein. Ich selbst bekenne, dass ich zu dieser glücklichen Mi¬ norität nicht gehöre und von Missgriffen genannter Art nicht freizusprechen bin. Conkret ausgedrückt: Es sind Uteri exstirpirt worden, in welchen die mikroskopische Diagnose auf beginnendes Carcinom der Portio oder der Cervix lautete, in welchen sich doch nur Entzündungen mit hyper¬ plastischen Vorgängen an den Drüsenepithelien fanden. Andere wieder, in welchen die Diagnose auf Corpuscarcinom lautete, wiesen ein gut¬ artiges Adenom oder einen Polypen oder ein Myom auf. Nun sage ich ja nicht, wie ich unten noch ausführlicher auseinandersetzen werde, dass es nicht besser ist, lieber einmal einen Uterus mit einer zweifelhaften Neubildung zu entfernen, als einen solchen mit einer bösartigen zu schonen, allein für die Beurteilung des Wertes der mikroskopischen Me¬ thode, für die Praxis und für die Kritik der Statistik geheilter Carcinomfälle muss die Richtigkeit mikroskopischer Diagnosen aufs allerstrengste geprüft werden. Allerdings könnte man vermuten, dass etwaige Irrtiimer, welche in dieser schwierigen Materie vorgekommen sind und Vorkommen können, nicht der Methode, sondern dem Untersucher zur Last fallen. Wäre dieses aber auch wirklich der Fall, wäre wirklich die mikroskopische Er¬ kenntnis dieser Veränderungen in zweifelhaften Fällen nicht einmal pa¬ thologischen Anatomen von Fach, sondern nur der auserlesenen Zahl von specialistisch gebildeten pathologisch-anatomischen Gynäkologen und unter diesen auch nur wenigen erschlossen, so wäre diese Methode, mögen die Fehlerquellen nur in der Person oder, wie wir meinen, mit in der Sache liegen, im Endeffekt für den Praktiker wertlos. Die hier vorkommenden Trug- und Fehlschlüsse sind jedoch nicht persönlicher Art, sondern bedingt durch die Zweideutigkeit vieler anato¬ mischen Bilder und unsere noch unzulängliche Kenntnis des Carcinoms, so dass sie auch denjenigen passirt sind, welche sich für berufen halten und denen eine gewisse Autorität auch allseitig zugetraut wird. Schon die Herbeischaffung des zur mikroskopischen Untersuchung erforder¬ lichen Probematerials, zumal wenn sie nach den üblichen Lehren geschieht, giebt zu einer Reihe von Täuschungen Veranlassung. Dies gilt weniger für die Portio, bei der wir in der Kegel in der Lage sind, so grosse Stücke als wir wollen, und vor allem aus der sichtbar erkrankten Stelle selbst Partikel zu excidiren und mikroskopisch zu untersuchen. Für das Corpus uteri aber lautet die Vorschrift, nach der ohne Zweifel von der Mehrzahl gehandelt wird1): »Um die Diagnose des Adenoma festzustellen. 1) Schröder-Hofmeier, Hdbch. d. Kranich, d. weibl. Geschl.-Organe 1SS9, S. 390.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30583925_0007.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)