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Credit: Geometrische Darstellung der Farbenblindheit / von Bruno Kolbe. Source: Wellcome Collection.
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![0 normales Auge als solche bezeichnet, z. B. Schwefel, Gold. Unter ’ rot verstehe ich die Farbe des Siegellackes und der roten Auf- schläge an den Uniformen. Grau nenne ich z. B. die Lippen, und bezeichne als blau die Farbe des Himmels und der Rosen.“ ! 1 Ein anderer, von mir selbst untersuchter Farbenblinder äusserte: ' „Das Gelb der Eidotter und das Rot mancher Rosen scheint mir nur in der Helligkeit verschieden. Reife Erdbeeren erkenne ich leicht zwischen grünen Blättern, doch fällt es mir schwer, reife (d. h. gelbe) Gurken auf trockener, also grauer, Erde wahrzunehmen. Veilchen und Kornblumen erscheinen mir völlig gleichfarbig.“ Eine derartige Verwechselung der Farben erscheint auf den ersten Blick so in die Augen fallend, dass man sich wundern muss. die Keniitniss dieser Krankheit erst so spät erhalten zu haben. Be- I denkt man aber, dass die Farbenblindheit in der Mehrzahl der Fälle angeboren ist, die Betreffenden also einen anderen Zustand ihres Farbensinnes gar nicht kennen, und durch Gewohnheit die Farbe der sie umgebenden Gegenstände richtig bezeichnen lernen, so ver- steht man leichter, wie Farbenblinde unerkannt bleiben können. Wo dennoch besonders auffällige Verwechselungen begangen werden, ist man oft geneigt, dieselben durch Mangel an Geschmack oder durch fehlende Hebung zu erklären. Da zur Zeit der Publikation des oben citirten Briefes die Auf- merksamkeit der gelehrten Welt noch gar nicht auf diesen Gegen- stand gelenkt worden war, man überhaupt nicht wusste, wie man sich diese Störung des Farbensinnes erklären solle, so betrachtete man den Fall als ein Kuriosum, ohne ihm irgend welche Bedeutung beizumessen. Da erschien im Jahre 1794 eine Schrift des Physikers John Dalton (Anhg.) die viel Aufsehn machte, weil der berühmte Gelehrte sich selbst als farbenblind bekannte, und die erste genauere Beschreibung dieses Uebels gab. — In der Folge wurde für dieses rätselhafte Leiden von den FranzoseiP) der Ausdruck „Daltonismus“ I 1) Nach D e ] b 0 e u f (C. pag. 891) hat P i e r r e P r e v o s t in Genf zuerst den Namen «Daltonisme» gebraucht.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21903736_0010.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)