Studien des Physiologischen Instituts zu Breslau / herausgegeben von K. B. Reichert.
- Date:
- 1858
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Credit: Studien des Physiologischen Instituts zu Breslau / herausgegeben von K. B. Reichert. Source: Wellcome Collection.
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![Beobachtungen -über die ersten Blutgefässe und deren Bildung, sowie über die Bewegung des Blutes in denselben bei Fischembryonen, Einleitung'. Es ist bekannt, dass Fischenibryonen zu denjenigen Objecten unter den Wirbclthieren gehören, bei welchen die Bewegung des Blutes mit Hilfe des Mikroskops ausserordentlich gut beobachtet werden kann. Die Fischembryonen sind aber vor ähnlichen Objecten ganz besonders dadurch ausgezeichnet, dass sich diese Bewegung unter geeigneten Umständen nicht blos in einem bestimmten Bezirke des Blulgefässsystems, sondern auf der ganzen Bahn oder doch in allen für uns wichtigsten Abtheilungen übersehen und verfolgen lässt. Die dabei wahrnehmbaren Erscheinungen haben mehrere Frühjahre meine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen und mich davon überzeugt, dass dieselben bisher noch nicht in genügender Weise zur Erläuterung der Herzthätigkeit und des Mechanismus, durch welchen das Herz die Blutmasse in Bewegung setzt, verwerthet worden sind. Sehr lehrreich sind namentlich jene Fälle, in welchen die Herzthätigkeit (beim Absterben des Embryo, oder in Folge eines zufällig aufgetretenen oder durch Narcotisation herbeigeführten krankhaften Zustandes) beschleunigt oder verlangsamt, geschwächt und alterirt oder endlich auf mehrere Minu- ten gänzlich aufgehoben ist, so dass ihre Wirkung auf die bereits stillstehende Blutmasse studirt werden kann; es werden Experimente unter den natürlichsten Verhältnissen vor unseren Augen ausgeführt. Für das Studium der Blutbewegung sind nicht alle Fischembryonen gleich günstig beschaf- fen, auch hat man auf das Entwickelungsstadium Rücksicht zu nehmen. Unter den von mir unter- suchten Fischen empfehle ich ganz besonders Levciscm Dobula (Döbel), auch L. rutihis (Rothauge) und L. erythrophthaImus (Plötze). Die Embryonen zeichnen sich durch ihre Durchsichtigkeit aus, die sternförmigen Pigmentzellen sind nicht so zahlreich und treten erst spät auf; auch der Nah- rungsdotter bietet weder durch seine Beschaffenheit noch durch seine Lage erhebliche Schwierig- keiten dar; in allen den erwähnten Beziehungen stehen die Embrj^onen des Hechtes zurück. Das geeignetste Entwickelungsstadium lässt sich nicht zuverlässig nach Tag und Stunden bestimmen. Eine solche Bestimmung der Entwickelungszustände kann für den Embryologen nur als Nothbehelf Reichert, Studien. ]](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21638500_0007.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)