Ergebnisse und Studien aus der medicinischen Klinik zu Bonn / von Dr. Moritz Ernst Adolph Naumann.
- Naumann, Moritz Ernst Adolph.
- Date:
- 1858-60
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Credit: Ergebnisse und Studien aus der medicinischen Klinik zu Bonn / von Dr. Moritz Ernst Adolph Naumann. Source: Wellcome Collection.
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![denon Tuberkelkrankheit hoffen zu dllrfen. Audi in Beziehung darauf miige ein erliiutcrndes Beispiel in Ktlrze anzufUhren gestat- tet sein. S.W. Madchen von 18Jahren, dessenMutter an derSchwind- sucht gestorben war, halte von l'tlnf Geschwi stern zwei, einen Bruder und eine Schwester, an der namlichen Krankbeit einge- ])iisst. Die drei ubrigen, in dem Lel)ensalter von 15 bis zu 26Jah- ren stehend, schienen gesund zu sein. Das Madchen, von welchem bier die Rede ist, krankelte bereits seit einem Jahre, und war in den letzten Monaten elender und hinfalliger geworden. Ich sah die Kranke zuersl im October des Jahres 1852. Sie kustete, klagte ilber zunehmend kurzen Athem und liber oflere Sliche in der Brust, die besonders haufig unterhalb des linken Schliisselbeines geklagt wurden; der Auswurf war gering, hauptsachlich schlei- mig, bisweilen blutstreifig. Das Madchen war tibrigens regelmassig menstruirt, hatte ein bleiches Colorit, litt oft an Herzklopfen und war durch grosse Reizbarkeit undSchreckhaftigkeit ausgezeichnet. Die Untersuchung der Brust zeigte die unverkennbaren Merkmale von vorgeriickter Infiltration in der linken, von beginnender Infil- tration in der rechten Lungenspitze. Ungeachtet der nicht zu bestreitenden, wenn auch nocli nicht sehr bedeutend gewordenen Anaraie, wurden wiederliolt locale Blutentziehungen in der linken Infraclaviculargegend vorgenom- men. Gleichzeitig nahm die Patientin einen Aufguss von Digitalis, Abends eine massige Dosis Morphium. Der Gebraucb der Digitalis, welche zuletzt des trocknen Hustens wegen, rnit massigen Gaben von Salmiak und Nitrum verbunden worden war, wurde, mit einigen Unterbrechungen, gegen vier Wochen fortgesetzt. Da das Madchen in der Kindheit viel an Scrofeln gelitten hatte, und auch jetzt von scrofulosen Symptomen noch nicht frei zu sprechen war, so wurde nun, — nachdem der llerzschlag ruhiger und seltener, der Husten sehr massig geworden war, und von den Bruststichen sich kaum noch eine Spur zeigte, — der Gebrauch des Leber- thrans verordnet. Die Patientin nahm denselben taglich zu drei Esslciffeln, und erhielt am Tage das Eisen, zuerst als Tinctura fern pomatci, dann als Fcrrum carbonicum saccharatum, endlich als Fer- rum sulphuricum. Der Leberthran wurde nach dreimonatlichem Fortcebrauch . da sich unflberwindlicher Widerwille eingefunden](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24907042_0442.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)