Der moderne Kaiserschnitt, seine Berechtigung und seine Stellung unter den Geburtshülflichen Operationen. Der Julius Maximilians Universität zu Würzburg zur Feier ihres dreihundertjährigen Jubiläums dargebracht von der Universität zu Bern / von P. Muller.
- Müller, P. (Peter), 1836-1922.
- Date:
- 1882
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Credit: Der moderne Kaiserschnitt, seine Berechtigung und seine Stellung unter den Geburtshülflichen Operationen. Der Julius Maximilians Universität zu Würzburg zur Feier ihres dreihundertjährigen Jubiläums dargebracht von der Universität zu Bern / von P. Muller. Source: Wellcome Collection.
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![Einleitung. Oegen die neuere Medicin wird nicht selten der Vorwurf erhoben, dass sie auf die Leistungen früherer Zeiten allzu geringschätzend herabblicke und allzu selbstgefällig ihre eigene gewaltige Fort- schritte hervorhebe. Dieser Tadel mag im Lichte der etwas ver- nachlässigte]! Geschiclite unserer Wissenschaft in Manchem gerecht- fertigt erscheinen; aber bei zwei Leistungen der Neuzeit hat er sicher keine Berechtigung; bei der Anästhesie und der Antisepsis. Mit Stolz darf die moderne Medicin dieselben als ihre eigenen Schöpfungen bezeichnen und sicher wird die anerkennende Zukunft von ihnen einen epochemachenden Wendepunkt in der Geschichte der äusseren Medicin datiren. Bei dem kühnen und erfolgreichen Vorgehen, wodurch die Letztere sich jetzt charakterisirt, ist durch die Anästhesie das „Können und durch die Antisepsis das „Ge- lingen bedingt. Der bedeutende Einfluss, welchen gerade die Lehre von der Sepsis auf alle Zweige der Medicin ausübt, ist nicht zu verkennen; auch die innere Pathologie ist nicht unberührt geblieben, die Untersuchungen über das Wesen der septischen Processe haben die Forschungen über die parasitäre Natur gewisser Krankheiten sei.. gefördert; die Resultate der Letzteren gehören wohl zu dem Bedeutsamsten, was die Untersuchung über die Aetiologie der Erkrankungen geleistet hat, und noch ist nicht abzusehen, was noch Ueberraschendes auf diesem Gebiet zu erwarten steht. Am imponirendsten sind die Erfolge, welche die Chirurgie durch die Antisepsis errungen hat; Mag auch die Theorie der septischen In- fection noch manche Umwandlung erfahren, mag auch die von ihr beherrschte Wundbehandlung in der Praxis noch manche Modifica- tion erleiden; der gewaltige Einfluss wird trotzdem ein dauernder und segensreicher bleiben. Neben der Chirurgie hat die Gynäko- logie die grössten Vortheile aus der neuen Lehre gezogen; Hat sie ja doch die wesentlichsten Verdienste um das Gelingen jener kühnen Abdominaloperationen, welche ohne sie kaum jene überraschend günstige Prognose bieten würde; hat sie ja auch in hervorragender Weise dazu beigetragen, den Charakter der gynäkologischen The- rapie wesentlich umzugestalten. Nicht minder erspriesslich ist das](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21710843_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)