Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns.
- Tillmanns, Hermann, 1844-1927.
- Date:
- 1905
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Credit: Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns. Source: Wellcome Collection.
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![Girard operierte im wesentlichen in derselben Weise wie Bar- denlieiier, Imal wegen Beckenkaries, 2mal wegen Sarkom des (Ober- schenkels bezw, des Beckens. Die beiden letzteren Fälle überstanden, wie schon erwähnt, die Operation, gingen aber später, 6 resp. 8 Mo- nate post o])erationem, an Rezidiven zu Grunde. Der erste mit einigen Modifikationen nach Jaboulays Methode geheilte Fall von Salistschef (1898) ist folgender. 38jähriger Mann mit seit 2 Jahren bestehendem periostalen Sarkom der rechten Beckenknochen. Der Tumor reichte nach oben bis zum Nabel, nach unten griff er auf den rechten Oberschenkel über. Operation am 8. Dezember 1898. Schnitt vom Ende der 12. Rippe zur Spina iliaca ant. sup., dann über dem Lig. Pouparti zum Tub. pubis bis auf das Bauchfell. Unterbindung der Art. iliaca communis. Bildung eines ovalären hinteren Lappens durch einen Schnitt durch die Oberschenkeldammfalte zum Tuber ischiad., dann horizontal nach hinten und dann hinter dem Trochanter major nach oben zur Mitte der Crista iliaca. Durchtrennung der Symphjrse nach Abtrennung der Weichteile, Ablösung der Weichteile vom Becken, Durchtrennung des M. psoas, des N. femoralis, der Vasa et nervi obturator. und des Nervengeflechts. Durchschneidung der Bänder der Articulatio sacroiliaca, womit die Operation beendigt ist. Blutstillung, Naht der Muskeln, Hautnaht, Drainage, Heilung zum Teil unter Eiterung. Im Anfang konnte der Harn nicht gleich gelassen werden, sonst keine Be- schwei’den. Das periostale Sarkom wog nach der Härtung ohne den Inhalt eines 12 : 10 cm großen Erweichungshei'des 6 kg. In dem Falle von Christel, welchen Dreist (1. c.) mitteilt, handelte es sich um eine ausgedehnte Coxitis tuberculosa bei einem 2jährigen Mädchen. Exarticulatio interilio-abdominalis am 15. Juli 1903. Typischer Schnitt zur extraperitonealen Ligatur der Art. iliaca com- munis, letztere wird durch mit Gummi überzogene Klemmen so lange abgeklemmt, bis sämtliche größeren Gefäße unterbunden sind. Zweiter Schnitt entlang der Glutaealfurche am Trochanter major vorbei zum Tub. pubicum (als hinterer Glutaeallappen). Es erfolgte nur eine ganz unbedeutende Blutung aus einem Seitenaste der Art. sacralis. Der Verlauf war bis zur Mitteilung durch Dreist „ziemlich günstig“. Christel Avill den Fall nach der Heilung selbst mitteilen. Die tödlich verlaufenen Fälle von Exarticulatio interilio-ab- dominalis sind folgende. Zunächst erwähne ich die drei von Jaboulay wegen Sarkom operierten Fälle, sie endeten sämtlich letal. Der 1. Fall Jaboulays, von Gayet (1. c. 1895) beschrieben, be- traf einen 66jährigen Mann mit einem Osteosarkom des Oberschenkels. Exarticulatio interilio-abdominalis mit pi’äveutiver Ligatur der Art. iliaca communis in der unten und S. 837 beschriebenen Weise. Dauer der Ope- i’ation 60 Minuten, sehr geringe Blutung. Tod an Sepsis 36 Stunden post Operationen!. Ueber den 2. Pall hat Jaboulay auf dem Congres de Chirurgie 1898 selbst berichtet. Es handelte sich um ein Sarcoma ossis ilium. Operation in derselben \\eise wie im 1. Pall (s. S. 837). Gangrän des großen hinteren Lapjiens im Ernährungsbezirk der Art. hypogastrica; Tod nach 5 lagen an Sepsis. Auch der dritte, in derselben Weise operierte Pall Jaboulays, endete^ tödlich, nähere Angaben stehen mir nicht zur Verfügung. Von den 3 Pällen inag nur die Operation in dem ersten von G a v e t nutgeteilten lalle beschi-ieben werden. Jaboulay ojierierte in folgender](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29011280_0972.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)