Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns.
- Tillmanns, Hermann, 1844-1927.
- Date:
- 1905
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Credit: Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns. Source: Wellcome Collection.
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![83.') eine B e c k e n li d 1 f t e von einem oberen Bojrensclinitt aus, welcher am großen Trochanter beginnt, zur Spina anterior superior gerade nach aufwärts verläuft, dann im Bogen entlang der Crista iliaca zur Spina iliaca i)osterior inferior nach abwärts zieht, um auf dem unteren seit- lichen Teile des Kreuzbeins zu endigen. Von diesem Schnitt aus werden die Weichteile eventuell mit dem Cerio.st vom Knochen abge- löst. Kocher resezierte noch den Oberschenkelkopf. Der l)etrefFende Patient Kochers konnte ohne Stock, wenn auch stark hinkend, gehen. Wir gehen nunmehr zur kurzen Mitteilung der in der Literatur befindlichen 17 Fälle von Exarticulatio interilio-abdominalis ü])er, die beiden zweizeitig ausgeführten Fälle von Czerny und Girard haben wir bereits erwähnt. Alle übrigen wurden einzeitig operiert. Ich er- wähne zuerst die vier glücklich verlaufenen Operationen von Barden- heuer, Girard und Salistschef. Der glücklich verlaufene, von Bardenheuer wegen aus- gedehnter Beckenkaries nach Coxitis tuberculosa o])erierte Fall ist von 0. Wolff 1807 1. c. beschrieben. Bardenheuer unter- band l)ei der döjährigen Patientin zuerst extraperitoneal die Vasa iliaca ext. und hypogastrica, dann wurde unter Bildung eines äußeren und inneren TIautmuskellappens der Oberschenkel in typischer Weise ex- artikuliert, und schließlich folgte als dritter und letzter Akt die Ent- fernung der erkrankten Beckenhälfte. Der Fall ist kurz folgender. Die 46jährige Patientin litt an einer seit dem 1. Lebensjahre be- stehenden Coxitis mit sekundären Eiterungen des Darmbeins, sie war sein- geschwächt durch Albuminurie ( ’ 2^/o), die lieber war vergrößert (s])eckig entartet?). Operation in Cloroformnarkose am 15. Jan. 1897. Unter Ver- meidung der Fisteln wird ein großer äußerer Hautlappen, ein kleiner innerer mit dem Messer vorgezeichnet. Schrägschnitt oberhalb des Lig. l’ouparti von der Spina ant. sup. nach dem horizontalen Schambeinast hin. Der Schnitt umkreist die in seiner Mitte liegende Fistel. Ablösung des I^eri- toneum vom Ilio])soas war wegen der Verwachsungen schwierig, was aber ohne Verletzung des Bauchfells gelang. Die Vasa iliaca ext. und hyjio- gastrica waren durch den abgehobenen Psoas medianwärts verdrängt und schwer zu erreichen, doppelte Unterbindung derselben und Durchschnei- dung zwischen den Ligatui’en. Exarticulatio femoris unter Bildung eines äußeren und inneren Hautmuskellappens ohne nennenswerte Bhitung. Vom Foramen obturatum aus wird der horizontale Schambeinast isoliert und mit der Giglisehen Säge ganz nahe an der Symphysis ossis pubis durch- trennt, ebenso der absteigende Sitzbeinast. Der Iliopsoas wird teils scharf, teils stum])f vom Darmbein resp. von dem unter ihm liegenden Abszeß abgelöst, die aii den Cristae iliacae ansetzenden Muskeln werden durchtrennt. Das Darmbein mit den Scham- und Sitzbeinteilen wird nun mit großer Gewalt aus der Articulatio sacroiliaca herausluxiert. Da sich der auf- steigende Sitzbeinast auch als tuberkulöserwies, wurde derselbe noch nach- träglich reseziert. Blutstillung, versenkte Faszien- und Muskelnähte, H^iut- naht, Drainage; Dauer der Operation 60 Minuten. Reaktionslcser \ mau , erster V’^erbandwechsel nach 3 Tagen am 18. Januar, W echseln der 3 rain- röhren. Mitte Februar war die Wunde bis auf zwei talergroße tranu- lationsstellen geheilt, die Albuminurie war nicht mehr nachweisbar. Die Patientin wurde am 26. April 1897 im ärztlichen Verein Koh. vorgestellt, ein Bauchbruch war nicht eingetreten. Am 1. i ai wur e le Kranke mit einer zweckmäßigen Prothese geheilt entlassen, mit letzterei konnte sie ohne Beschwerden mit einem Stock gut gehen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29011280_0971.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)