Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns.
- Tillmanns, Hermann, 1844-1927.
- Date:
- 1905
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Credit: Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns. Source: Wellcome Collection.
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![sein können, ohne daß irj^endwelche Symptome dafür sjirecben. So fand sich bei dem nach der Operation an Kollaps gestorbenen Kranken Cacciopolis ein Sarkomknoten im Oberlappen der rechten Lunge, und in dem ebenfalls letal geendigten Falle Kadjans ergab die Sek- tion unerwartet Metastasen in der Pleura, besonders rechts, und einen Sarkomknoten im rechten unteren Lungenlappen. Die beiden Sarkom- kranken Girards, welche die Operation glücklich üljerstanden batten, starben doch 0—8 Monate nach der Operation an Metastasen. Ich glaube daher, daß die Operation weniger bei Sarkomkranken als bei ausgedehnter bstulöser tuberkulöser Karies des Beckens und des Ober- schenkels, wo eine konservative Operation nicht mehr möglich, indi- ziert ist. Bezüglich der Technik der E x a r t i c u 1 a t i o interilio- abdominalis sei kurz folgendes h e r v o r ge h o b e n. Die Wahl der Operationsmethode wird natürlich durch die Art des vorliegenden Falles sehr beeinflußt, besonders auch durch die Ausdehnung der Krank- heit nach dem Beckeninneren. Die Operation muß so rasch und so unblutig als möglich aseptisch ausgeführt werden, um die Sh(jkwirkung nach Möglichkeit zu verringern. Von großer Wichtigkeit ist die Her- stellung der Blutleere des betreftenden Beins, damit dieses Blut dem Kranken erhalten bleibt. Nach 13edarf wird man hei der Operation die Blutung durch die S. 311—312 beschriebene intraperitoneale Digital- kom])ression der Aorta abdominalis oberhalb ihrer Bifurkation be- herrschen. Durch Kompression einer Art. iliaca communis wird nur die hetrettende Beckenhälfte blutleer. Die von den einzelnen Operateuren angewandte Schnittführung war sehr verschieden, sie hängt von der Art des Falles ab. daboulay bildete einen großen hinteren Lappen, Caccio])oli einen vorderen, Girard einen kleinen inneren und größeren hinteren Laj)pen, Barden- heuer einen großen äußeren und kleinen inneren Hautmuskellappen, Salistschef einen komplizierteren Lajipen ,en raquette“, Savariaud einen inneren großen Lappen u. s. w. (s. das Nähere bei den einzelnen Operationsfällen). Die Bildung eines äußeren und inneren Hautmuskel- lappens dürfte sich am meisten empfehlen. Bezüglich der Notwendigkeit der präventiven Blut- stillung sind alle Operateure einig, sie wurde aber verschieden aus- geführt. Sie be.stand teils in der I^nterbindung der Art. und Vena iliaca communis (daboulay, Nanu u. a.), teils in der isolierten Li- o-attir der Art. und Vena iliaca ext. und hypogastrica, teils endlich nur in der Unterbindung der Art. und \ ena iiiaca ext. (Morestin).^ Die letztere dürfte mei.st ungenügend sein. Die Unterbindung der Venen ist notwendig, um die Blutung während der Operation zu verringern und rückläufige Nachblutungen zu verhindern. Nach Unterbindung der Art. und Vena iiiaca communis sah Nanu Gangrän des Lappens und der Operationswunde, er hält daher die Ligatur der Art. und Vena iliaca ext. und hv})ogastrica für empfehlenswerter. Man dringe behufs Lio-atur der Vhisa iliaca s u b periton e al zu den Gefäßen vor. ” Im weiteren V^erlauf der Operation folgt man, wenn möglich, am besten den Ratschlägen Girards und Bardenheuers, deren Fälle o-ünstig verliefen, d. h. man suche nach der Unterbindung der Vasa iliaca \lie Symphysis pubis und mit ihr die Ansatzstellen der Till man ns, Verletzungen und chirurgische Krankheiten des Beckens. 53](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29011280_0969.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)