Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns.
- Tillmanns, Hermann, 1844-1927.
- Date:
- 1905
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Credit: Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns. Source: Wellcome Collection.
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![Kanals liej^eiiden Nerven vermeide. Es ist notwendig, möglichst hoch hinaut zu injizieien, weil die Nervenwurzeln und ihr Venensystem segmentweise angeordnet sind, weil ferner das epidurale, in binde- gewebigen Fächern eingeschlossene, mehr flüssige Fett der Injektions- flüssigkeit Widerstand leistet. Cathel in hat Injektionen verschiedener Flüssigkeiten, besonders von Kokainlösungen und physiologischen Kochsalzlösungen, in den epi- duralen Kaum zwischen der Dura mater des Hückenmarks und dem Periost des Wirbelkanales vom Hiatus sacralis aus zu therapeuti- schen Zwecken vorgenommen. Dieser Haum ist spaltförniig und im ganzen Verlauf des Wirbelkanals von vielen weiten, unter sich kom- munizierenden Venen durchsetzt, nur in seiner untersten Partie erweitert er sich. Der Duralsack hört in der Höhe des unteren Randes des 2. Sakralwirbels auf, unterhalb dieser Stelle wird die ganze Breite des Wirbelkanals von dem epiduralen Kaum eingenommen. In diesen letz- teren macht nun Cathelin seine Injektionen vom Hiatus sacralis aus, welcher nur von einer fibrösen Membran und der Haut bedeckt ist. Cathelin glaubt, daß in diesen Kaum injizierte Flüssigkeiten von dem reichlichen Venennetz leicht und rasch resorbiert werden; der Kaum soll nach der etwas anfechtbaren Berechnung von Cat hei in eine lOmal größere Kesorptionsfläche als das Unterhautbindegewebe bei den subkutanen Injektionen haben. Cathelin hat seine Injektionen besonders bei Ischias und anderen Neuralgien, dann besonders bei Krankheiten der Harnwege vorgenommen. Analgesie wie bei derBierschen Kokainisierung des Kückenmarks läßt sich durch die Cathelinschen Injektionen nicht erzielen. Cathelin teilt 79 ausführlich wiedergegebene Krankengeschichten mit, welche die günstigen Erfolge bei folgenden Affektionen beweisen sollen: bei In- continentia urinae der Kinder und Erwachsenen, bei })sychopathischer Inkontinenz, bei Pollutionen, bei Impotenz und bei Neurasthenie der Harnwege. Die Art der injizierten Flüssigkeit, Avelche keine große Rolle spielt, bestand meist in Kochsalzlösung. Cathelin erklärt die günstige Wirkung durch einen „Traumatismus“, durch einen Shok, welcher auf den unteren Teil des Rückenmarks ausgeübt wird. Die Krankengeschichten zeigen in der Tat oft auffallende Besserungen, welche aber bei den vorwiegend neurasthenischen Patienten auch durch Suggestion erklärt werden können. Ich bin auf die zum mindesten eigentümliche Behandlungsmethode Cathelins etwas näher eingegangen, nicht um sie zur weiteren Prüfung zu empfehlen, sondern im Gegenteil, um sie abzulehnen. Dasselbe läßt sich auf einfachere Weise erzielen. 125. Die Exarticulatio interilio-abdominalis. — Die Auslösung einer Beckenhälfte im Sakrococcygealgelenk und der Sym- physis ossium pubis mit gleichzeitiger Entternung ^znrrnliöritrpTi unteren Extremität, die Exarticulatio interilio-abdominalis, haben wir be- reits mehrfach erwähnt, z. B. besonders bei den Gesclnvülsten und bei ausgedehnter Karies des Beckens und Oberschenkels. Nicht immer h.at man die Beckenhälfte in der Symphysis ])ubis und in der Articulatio sacroiliaca exstirpiert, wenn möglich wird man die Symphyse und das Sakrococcygealgelenk erhalten und die Knochen in ihrer Niihe durch- sägen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29011280_0967.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)