Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns.
- Tillmanns, Hermann, 1844-1927.
- Date:
- 1905
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Credit: Die Verletzungen und chirurgischen Krankheiten des Beckens / von H. Tillmanns. Source: Wellcome Collection.
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![Fenomekow und Kotschelkow haben an der Leiche und an Tieren zwei Operationsmethoden ausgehildet, um die durch die Symphyseotomie erzielte Erweiterung des Beckens dauernd zu erhalten. Der Hautschnitt verläuft in einem nach unten konvexen Bogen von einem Tuberculum pubis zum anderen. Dann wird im Zu- sammenhang mit dem Hautlappen entweder aus der ganzen Höhe der Symphyse ein Keil mit oberer Basis von 3—4 cm Breite ausgelöst, die untere Hälfte desselben entfernt und die obere bis an den Schambogen nach unten verlagert. Oder aber es wird nur aus der oberen Hälfte der Symphyse ein rechtwinkliges Stück von derselben Breite im Zusammen- hang mit dem Hautlappen ausgemeißelt, darauf in der unteren Hälfte die Symphyseotomie ausgeführt, die Knorpelflächen abgetragen und schließlich das oben ausgelöste Knochenstück zwischen den auseinander gedrängten Schambeinästen fixiert. Ist das Lig. arcuatum dabei hinderlich, so muß es durchtrennt werden. Außerdem fallen nur noch einige Fasern der beiderseitigen langen Adduktoren in den Weichteilschnitt, und zuweilen müssen die Obliqui ext. leicht eingekerbt werden, um die Verlagerung des resezierten Knochenstückes zu erleichtern. Das äußere Ansehen der Scham- spalte und des Scheideneinganges soll nicht verändert werden; die Ope- ration soll technisch nicht schwierig sein. Die Verfasser nennen ihre Operation „Pubiotomie autoplastique par glissement'b Nach den von Fenomekow und Kotschelkow mitgeteilten Zahlen ist die erzielte Beckenerweiterung nur gering, die durch die Operation erzielte Verlänge- rung der Conjugata vera schwankte zwischen 0,9—1,5 cm. Müller und v. Noorden machten den Vorschlag, bei Beckenver- engerungen, besonders des Beckenausganges, statt der totalen S3mphyseo- tomie in geeigneten Fällen nur eine Diszision des Lig. arcuatum inferius resp. des Knorpels vorzunehmen. Besonders Jaffe hat sich gegen diese partielle Symphj^seotomie ausgesprochen. § 124. Die Punktion des Sakralkanals. — Die Punktion des Wirbelkanals resp. Subarachnoidealraumes desselben wird bekannt- lich teils zu diagnostischen, teils zu therapeutischen Zwecken, z. B. behufs Kokainisierung des Kückenmarks zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Lendenwirbel, vorgenommen, wo eine Verletzung des Rücken- marks durch die S])itze der Punktionskanüle unmöglich ist, da das- selbe bei Erwaclisencn nur bis zum 2., bei Kindern im 1. Lebens- jahre nur bis zum 3. Lendenwirbel reicht. Die im Liquor cerebro- spinalis flottierenden Nervenbündel der Cauda equina weichen der Nadel aus. Bezüglich der nicht hierhergehörigen Technik der Lumbal- ])unktion und der Kokainisierung des Rückenmarks verweise ich auf die Chirurgie der Wirbelsäule und des Rückenmarks in meinem Lehr- buch der speziellen Chirurgie, 8. Auflage, § 150 S. 780—781. Chi])ault empfahl 1901 die Lumbalpunktion nicht im Be- reich der Zwischenräume der Lumbalwirbel, sondern im lumbosakra- len Zwischenräume zu machen, weil dieser geräumiger und von leicht bestimmbaren, palpabeln Anhaltspunkten umgeben sei, auch ge- lange man direkt in den Subarachnoidealraum und eine Verletzung der Nervenwurzeln sei unmöglich. Chipault empfiehlt die lumbosakrale Epiduralpunktion in der Welse auszuführen, daß man die Cornua sacralia als Anhalts- ])unkt für den Einsticli in den Sakralkanal benutzt, die Nadel dann an der Hinterwand des Kanals Avenigstens 5 cm nach oben führt, weil man so am besten eine \erletzung der an der Vorderwand des](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29011280_0966.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)