Umfang und Art des jungendlichen Krüppeltums und der Krüppelfürsorge in Deutschland : nach der durch die Budesregierungen erhoben amtlichen Zahlen / von Konrad Biesalski.
- Biesalski, Konrad.
- Date:
- 1909
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Credit: Umfang und Art des jungendlichen Krüppeltums und der Krüppelfürsorge in Deutschland : nach der durch die Budesregierungen erhoben amtlichen Zahlen / von Konrad Biesalski. Source: Wellcome Collection.
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![Eine Angabe der einzelnen Ergebnisse dieser in ihren Verhältniszahlen häufig stark voneinander abweichenden Statistiken erübrigt sich; sie sind in den ersten sechs Jahrgängen von Schäfers Jahrbuch für Krüppelfürsorge veröffentlicht. Resultate. Rosenfeld* hat ihre Resultate zusammengestellt und als Mittel 1,17 Krüppelkinder auf 1000 Einwohner berechnet oder 67000 Kinder in einer Bevölkerung von 57 Millionen in Deutschland, wenn man die in kleinen Bezirken gewonnenen Resultate verallgemeinerte. 91°/0 der Krüppelkinder waren geistig gesund, 10% geistig gesunde und bildungsfähige Krüppel hatten infolge ihrer Verkrüppelung bislang keinen Unterricht genossen. Alle diese auf ein um- schriebenes Zweckgebiet beschränkten Zählungen hatten für ihre Veranstalter ihren Zweck erfüllt, aber sie waren bei allem Verdienst, was ihnen innewohnte, nicht imstande gewesen, die Aufmerksamkeit der großen Öffentlichkeit auf sich zu lenken. Andererseits begann man aber bereits in den Kreisen der praktische Krüppelfürsorge treibenden Männer eifrig darüber zu debattieren, ob und in welcher Weise der Staat angesichts der großen sozialen Bedeutung der Krüppelfrage sich an ihrer Lösung zu beteiligen habe. Es regte sich in den Parlamenten, namentlich des seit 70 Jahren staatliche Krüppelfürsorge treibenden Bayerns, aber die Re- wohiwoiiendes gierungen verhielten sich im allgemeinen, wenn sie auch theoretisch und grundsätzlich ihre öffenttichkeit. Bereitwilligkeit zur Hilfe aussprachen, ablehnend oder besser abwartend, immer mit der un- anfechtbaren Begründung, daß die bisherigen Zählungen nur enge Gebiete umfaßten und daß es ohne weiteres nicht angängig sei, die Verallgemeinerung ihrer Ergebnisse zur Unterlage folgenschwerer Entschlüsse zu machen. Dazu müßten erst einwandfreie Zahlen für jeden Bundesstaat vorliegen. Desgleichen blieb die breite Öffentlichkeit des Publikums sowohl, als die Presse, als die großen Armenverwaltungen der Kommunen und Kreise in einer reservierten Haltung, weil es sozusagen im eignen Hause noch nicht brannte. Wenn auch der Nachbar die Zahl seiner unversorgten Krüppel schon festgestellt hatte, so war noch kein zwingender Grund vorhanden, sich diese Zahlen für die eignen Verhältnisse anzueignen und nun mit ansehnlichen Geldbewilligungen hervorzutreten. Der Krüppel ein Es kam aber noch ein Drittes hinzu: Der Krüppel hatte bisher im Publikum sowohl Hilfloser. ajg aucjj |)ej <jer ]\/[eh.rzahl der Krüppelheime im wesentlichen als ein Unglücklicher gegolten, für den man nicht viel mehr zu tun in der Lage sei, als ihn barmherzig zu pflegen und seine Kräfte nach Möglichkeit zu entwickeln. Den sehr verdienstvollen Männern, meist Geistlichen, welche die verschiedenen Anstalten begründet hatten, war es, einfach weil sie eben einem ganz anderen Stand angehörten, vielfach — einige Ausnahmen sind besonders zu betonen — entgangen, daß in den letzten Jahren die orthopädische Chirurgie es gelernt hatte, die Mehrzahl der krüppelhaften Gebrechen zu heilen oder doch wesentlich zu mildern. Der Krüppel mußte also Der Krüppel ein mehr von der Auffassung her betrachtet werden, daß er ein Kranker sei, dessen Krankheit Kranker. man zuvörderst in Angriff zu nehmen habe, um darauf eine wirklich heilsame Krüppelfürsorge aufzubauen. Sollte also die Krüppelfürsorge neu belebt werden, so war es notwendig, die Arzte d. h. die chrirurgischen Orthopäden zu interessieren. Diese aber standen noch etwas abseits trotz der seit 10 Jahren unermüdlich betriebenen Aufklärungsarbeit Rosenfelds, weil nur hier und da einer oder der andere von ihnen zur Mitarbeit aufgefordert war, und sie keine Ver- anlassung sahen, ihre Mitwirkung anzubieten oder, wo es nötig war, zu verlangen. Gründe für eine S° drängte alles dazu, etwas Entscheidendes, Umfassendes in der Krüppelfürsorge Reichsstatistik. zn ^un^ um cije gewünschten Fundamente für eine gesunde und aussichtsreiche Weiter- entwicklung zu gewährleisten. Alles das konnte mit einem Schlage eine das ganze Reich * S. bei diesem wie bei den sonst im Text zitierten Autoren das Litteraturverzeichuis im letzten Kapitel des Buches.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21290933_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)