Gefrierpunkts- und Leitfähigkeits-Bestimmungen : ihr praktischer Wert für die innere Medizin / von S. Schoenborn.
- Schoenborn, Siegfried.
- Date:
- 1904
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Credit: Gefrierpunkts- und Leitfähigkeits-Bestimmungen : ihr praktischer Wert für die innere Medizin / von S. Schoenborn. Source: Wellcome Collection.
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![Spannung analogen Druck, den osmotischen Druck aus. Da es sich bei den Sekretions- und Exkretionsvorgängen des Körpers grossenteils um osmotische Vorgänge handelt, liegt die Bedeutung einer Bestimmung des osmotischen Druckes auf der Hand. Ausser der Berechnung dieses Druckes (Avogadros Gesetz), die für Körperflüssigkeiten in den meisten Fällen nicht anwendbar ist, gestatten uns verschiedene Methoden eine mehr oder weniger genaue (indirekte) experimentelle Bestimmung (Ver- suche mit Niederschlagsmembranen^), plasmolytische Versuche, Ham- burgers Blutkörperchenmethode, die Hämatokritmethode, Massarts physiologische Methoden, Diffusionsbestimmungen). Von allen diesen Methoden hat sich aber keine recht Eingang zu verschaffen vermocht, teils wegen der Kompliziertheit ihrer Anwendungen, grösstenteils aber wegen der Unsicherheit ihrer Eesultate. Die bequemste Bestimmung indirekter Art ist aber für den osmotischen Druck die der Gefrier- punktserniedrigung. Der Gefrierpunkt einer Flüssigkeit sinkt, wenn in derselben irgend ein Stoff gelöst wird.^ Der Grad dieses Sinkens, d. h. die Gefrierpunkts- erniedrigung, ist nach Blagden proportional der Konzentration der Lösung. Ferner aber zeigen (Raoult) Lösungen, welche gleich viel Mole- küle in demselben Volum des Lösungsmittels enthalten, auch gleiche Ge- frierpunktserniedrigung. Da nun solche Lösungen, welche gleich viel Moleküle in der Volumeinheit enthalten, nach Avogadro-van'tHoff auch denselben osmotischen Druck zeigen, so müssen Lösungen, welche dieselbe Gefrierpunktserniedrigung zeigen, auch denselben osmotischen Druck besitzen. Die Bestimmung der Gefrierpunktserniedrigung ist also eine Bestimmung (bezw. ein Mass) des osmotischen Druckes. Die von dem Raoult sehen Gesetze scheinbar abweichenden, auf- fällig starken Gefrierpunktserniedrigungen der Säuren, Basen und Salze erklären sich (A r r h e n i u s) dadurch, dass diese Körper Elektrolyte sind, bei welchen die elektrolytische Dissoziation nicht erst beim Durchleiten eines galvanischen Stromes entsteht, dass vielmehr diese Stoffe in ihren Lösungen bereits teilweise in dissoziiertem Zustande enthalten sind, und dass die bei der Dissoziation entstandenen Teile der Moleküle, die Ionen, sich in Beziehung auf den osmotischen Druck wie ganze Moleküle ver- halten. Osmotischer Druck und Gefrierpunktserniedrigung sind bei Elek- trolyten also der (in der Volumeinheit gelösten) Zahl von Molekülen -]- Ionen proportional. Da es sich hierbei um in allen Einzelheiten hinreichend erforschte und feststehende Beziehungen handelt, so kann also 1) Die einzige direkte Bestimmung!](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2129527x_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)