Universalmedizin und Goldmacherkunst im siebzehnten Jahrhundert / von Paul Diepgen und Walter Menn.
- Diepgen, Paul, 1878-1966.
- Date:
- 1956
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Credit: Universalmedizin und Goldmacherkunst im siebzehnten Jahrhundert / von Paul Diepgen und Walter Menn. Source: Wellcome Collection.
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![den genannten Stein denke, was ich gesehen, ja was ich mit eigenen Händen berührt habe, und somit jene edelste und wahrste Kunst der Chemie von dem Odium befreit wird, das sie sich nicht durch die eigene Art, sondern wegen der pseudo¬ chemischen Pfuscher zugezogen hat, die die edle Kunst auf das Schlimmste mißbrauchen. Als ich im dritten Jahre nach der Jahrhundertwende mitten im Sommer von Rom nach Deutschland in mein Vaterland zu¬ rückkehrte, schloß sich mir, vermutlich wegen der günstigen Reisegelegenheit, ein gereifter, kluger und bescheidener Mann an. Er war von Wuchs vielleicht ein wenig klein, im übrigen wohl genährt mit frischen Farben, er zeigte das beste Tempera¬ ment. Sein Bart war kastanienbraun und lang, nach französischer Sitte geschnitten. Seine Kleidung aus Seide, mit Troddeln behängen und schwarz, ließ kleine Zweige und Blumen sehen so, wie Tücher aus Seide und mit Zotten meistens ausgearbeitet sind. Begleitet war er von nur einem einzigen Famulus, der wegen der auffallenden Röte von Haar und Bart wohl unter tausend anderen leicht zu erkennen war. Der Mann hieß (wenn er mir den rechten Namen genannt hat) Alexander Setonius (12), gebürtig aus Molia [das ist eine Herrschaft und Insel im Ozean (13)]. Auf der Reise gab er sich sehr bescheiden, er forderte niemals irgendeine andere Speise als die, welche die ganze Gesellschaft aß, und zeigte keine Spur von Hochmut, Prahlerei oder Verschwendung. Er wollte unter keinen Um¬ ständen, daß mit den Wirten über die Zahlung der Zeche ge¬ handelt würde, wie es sonst in Italien geschieht, sondern gab höflich, was diese von den Gästen an Zahlung verlangten. Nur in Mailand, wo er sich von den Wachen mit der bei ihnen alt¬ gewohnten Frechheit mehr als recht und gewöhnlich erpreßt sah, wurde er ärgerlich und gab einige Widerrede: „Was soll diese Barbarei ausgerechnet in Italien? Was für eine Art ist das, die Fremden zu mißhandeln? Den ganzen christlichen Erd¬ kreis bin ich durchwandert, aber nirgendwo habe ich eine der¬ artig unwürdige Schatzung mitgemacht. Wahrhaftig, wenn ich Packsäcke mit Goldmünzen'gefüllt mit mir herumtrüge, nicht einen Dreier würde ich diesen Erzschelmen zahlen.' Sobald wir in Basel ankamen — wir kamen aber zu Schiff, das wir in Zürich gemietet hatten —, eilten wir geradewegs zum Goldenen Storchen. Da sagte er: ,Na, kommt Dir noch in die Erinnerung, mit welchen Schimpfworten Du die Alchemie und alle Alchemisten auf der ganzen Reise und besonders zu¬ letzt auf der Schiffahrt angefallen hast, und daß ich Dir ver-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30634180_0007.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)