Die Anatomisch-Pathologischen Sammlungen Berlins im 18. Jahrhundert / von Walter Artelt.
- Artelt, Walter, 1906-
- Date:
- [1936]
Licence: In copyright
Credit: Die Anatomisch-Pathologischen Sammlungen Berlins im 18. Jahrhundert / von Walter Artelt. Source: Wellcome Collection.
2/12 (page 2)
![machte jahrelange Studienreisen ins Ausland, um die Prä¬ pariertechnik eines berühmten Meisters abzusehen, und diese wieder suchten mit wenigen Ausnahmen ihre Methode ängst¬ lich als Geheimnis zu bewahren* * 3. So ergaben sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts ganz neue Möglichkeiten für die Ausgestaltung anatomischer und pathologisch-anatomischer Sammlungen. Und diese Möglichkeiten wurden in weitestem Umfange ausgenützt, denn eine ausgeprägte Freude am Sammeln naturkundlicher Objekte ist für diese Zeit charakteristisch. Überall — in allen Zentren der Wissenschaft, ebenso wie in den kleinen Provinzstädten — entstanden Sammlungen anatomischer und pathologischer Präparate undGegenstände, die bedeutend¬ sten in Holland. Sie verdanken fast alle ihre Entstehung der Sammelfreude einzelner Ärzte. Viele wurden von Uni¬ versitäten übernommen, vom Staat angekauft. Bekannt ist das Schicksal der berühmtesten Sammlung Hollands, der des Anatomen Ruysch. Sie wurde 1717 vom Zaren für 30000 Gulden angekanft und in die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften zu Petersburg überführt. Die medizinhisto¬ rische Tradition besagt, es seien große Teile der Sammlung unterwegs vernichtet worden, da die Matrosen die alkoho¬ lische Konservierungsflüssigkeit ausgetrunken hätten4. Und aus einem doppelten Gesichtspunkt zu betrachten; als Kunst und Wissenschaft. . . Unter anatomischem Künstler verstehe ich einen solchen, welcher nicht allein den mensch - liehen und thierischen Körper zu entwickeln, dessen sämmtliche Falten und Winke] aufzulösen versteht, alle nur mögliche sichtbare Theile des menschlichen und thierischen Körpers anschaulich darzustellen vermag, sondern der noch überdem die Kunst und Wissenschaft besitzt, das von ihm anschaulich dargestellte, in eben dem vollkommen dargestellten Zustande auch zu erhalten. (Denn bei der Anatomie sind Verfertigungs¬ und Erhaltungskunst der Werke zusammenhängende, nöthige, aber auch verschiedene Kenntnisse.) Nur ein solcher kann ein vollkommener anatomischer Künstler ge¬ nannt werden“ (Alte Malerkunst und JOHANN GOTTLIEB WALTERS Leben und Werke S. 2f. Berlin 1821). 3 Typisch dafür sind folgende Sätze aus FRIEDRICH BÖRNERs Lebensbeschreibung von CHRISTIAN JEREMIAS ROLLIN (geb. 1707): „Nachdem er [sc. ROLLIN] sich . . . einige Zeit in London aufgehalten . . ., begab er sich zurück nach Rotterdam und von da ferner nach Amsterdam. Er bemühete sich sehr hinter die schöne Wissenschaft des Herrn RUYSCH [d. h. dessen Präparationsmethode] zu kommen. Er sparte so wenig Geld als Mühe, aber alles schien vergeblich zu seyn. Endlich fand er einen Canal (den er aber nicht zu entdecken geneigt ist), durch den er zu dem ganzen Geheimniß dieser Balsamirung gelanget ist. ... Es ist bekannt, daß RUYSCH mit dieser Kunst ungemein heimlich gewesen. . . . Der Hr. Hofrath VON HALLER in Göttingen, soll durch eigenes Nachforschen, die Ruysche Art entdeckt haben. Und der . . . Hr. Doctor PFANN in Erlangen, legt uns in seinen Sammlungen merckwürdiger Fälle, zween Auf¬ sätze vor, welche, wie es die Probe gewiesen, des RUYSCH seiner ächten Composition sehr nahe kommen sollen. Ob sie getroffen, oder noch davon abweichen, werden wir erfahren, wenn es dem Hrn. D. ROLLIN gefallen solte, das Geheimniß, so wie er, wenn es seine Umstände zulassen, davon nicht abgeneigt ist, bekannt zu machen“ (FRIEDRICH BÖRNER, Nachrichten von den vornehmsten Lebensumständen und Schriften jetzt¬ lebender berühmter Ärzte und Naturforscher in und um Deutschland, Bd. 2, S. 627 bis 629. Wolfenbüttel 1752). RUYSCH selbst forderte für die Mitteilung seines „Geheim¬ nisses“ mindestens 50000 Gulden! (Vgl. W. N. TERNOWSKY, „Fredericus Ruysch“, in VIme Congres Internationald’Histoire de la Medecine. Leyde-Amsterdam 18./23. VII. 1927, Anvers 1929, S. 337.) 4 Vgl. JOSEPH HYRTL, Lehrbuch der Anatomie des Menschen, 12. Aufl., S. 47, Wien 1873, und nach HYRTL etwa P. SCHELTEMA, Het Leven van Frederik Ruijsch.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30630447_0002.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)