Über den Einfluss der Wohlhabenheit und der Wohnverhältnisse auf Sterblichkeit und Todesursachen mit besonderer Berücksichtigung des Auftretens der infectiösen Krankheiten : Vortrag, gehalten am 30. September 1883 an der Berliner Hygiene-Ausstellung / von Josef Korösi.
- Kőrösi, József, 1844-1906.
- Date:
- 1885
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Credit: Über den Einfluss der Wohlhabenheit und der Wohnverhältnisse auf Sterblichkeit und Todesursachen mit besonderer Berücksichtigung des Auftretens der infectiösen Krankheiten : Vortrag, gehalten am 30. September 1883 an der Berliner Hygiene-Ausstellung / von Josef Korösi. Source: Wellcome Collection.
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![Die in Spitälern und sonstigen öffentlichen Anstalten Verstorbenen wurden, insoweit möglich, ebenfalls nach den vier Wohlhabenheitsclassen aufgetheilt. Im Verlaufe der sechs Jahre 1876—1881 wurden solcherart classificirt: in die erste Classe (Reiche) 590 in die zweite Classe (Mittelstand) 9,550 in die dritte Classe (Arme) 45,133 in die vierte Classe (Nothdürftige) 3.829 demnach insgesammt . . 59,102; es verblieben überdies in Wohnungen und in Anstalten Ver- storbene, deren Wohlhabenheitsgrad nicht angegeben war . , 14,044; Totale der Verstorbenen . . 73,146. Was bei dieser Zusammenstellung in erster Reihe überrascht, ist die überaus geringe Anzahl der der reichsten Classe Angehörigen: von 59,000 Verstorbenen konnten nur 590, also eben ein Percent, als der reichen Classe zugehörig angesehen werden, während der armen und ärmsten Classe an 50,000 Verstorbene angehörtea ! Es gibt dies einen deutlichen Beweis dafür ab, wie überaus stark das Proletariat in unserer Bevölkerung vertreten ist. Dieser Umstand, den wir übrigens auch aus den Ergebnissen der Volkszählung herauslesen zu müssen meinten* 2), ist vom Standpunkte der Mortalitätsstatistik insoferne von Bedeutung, als die ganze Mortalitätsfrage schliess- lich und letztlich doch alsCulturfrage zu betrachten ist: eine vorwiegend von Proleta- riat bevölkerte Stadt wird, trotz des besten Willens und der grössten Opferwillig- keit der Behörde, nie jenen günstigen Stand der sanitären Verhältnisse und der Sterblichkeit aufweisen können, wie andere, diesbezüglich glücklicher situirte Städte. Vom Standpunkte der statistisch-technischen Verwerthung der über den Wohlhabenheitsgrad gewonnenen Angaben, ist aber noch ein fernerer, aus den ange- führten Zahlen sich ergebender Umstand von Bedeutung, nämlich die grosse Anzahl jener Fälle, in welchen der Wohlhabenheitsgrad nicht constatirt wurde. Jene naheliegende Abweisung der diesbezüglich auftauchenden Scrupel, dass man näm- lich die Gesammtheit dieser nicht ausgefüllten Fälle einfach ausser Rechnung lassen und den Calcül bloss auf die Gesammtheit der richtig ausgefüllten Todten- zettel beschränken könnte, ist — im Hinblick auf die grosse Mühe, die wir diesbe- züglich dem Depouillement zuwendeteu, müssen wir sagen leider — eine nicht genügend motivirte. Sie beruht nämlich auf der Voraussetzung, dass die eine wie die andere dieser beiden Gesammtheiten aus gleichen Elementen, namentlich aber aus gleichen Alterselementen bestehe. Diese Voraussetzung ist aber eine unbe- wiesene, ja hinsichtlich eines beträchtlichen Theiles der unbekannten Fälle lässt sich geradezu das Gegentheil behaupten. Die Angabe des Wohlhabenheitsgrades mangelt nämlich zumeist bei den in öffentlichen Anstalten verstorbenen Personen; eben unter diesen Verstorbenen ist aber die Anzahl der Kinder eine verschwindend geringe, die Anzahl der Erwachsenen jedoch eine überwiegend grosse. Da nun anderseits eben die armen Classen das grösste Contingent zu der Gesammtheit [Resolutions] Pag. 208 u. 249.) Ueber die Einrichtung des mortalitätsstatistischen Dienstes in Budapest vgl. Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege Bd. VII, sowie K ö r ö s i »Plan einer Mortalitätsstatistik für Gressstädte«, Wien, Gerold. 1873. 2) K ö r ö s i, Die Hauptstadt Budapest im Jahre 1881, Ergebnisse der Volksbeschreibung und Volkszählung.!» III. Band 8. 5.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22291076_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)