Volume 1
Lehrbuch der Nervenkrankheiten für Ärzte und Studierende / H. Oppenheim.
- Hermann Oppenheim
- Date:
- 1923
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der Nervenkrankheiten für Ärzte und Studierende / H. Oppenheim. Source: Wellcome Collection.
942/950 page 920
![familiäres, kann sich dabei aber auch noch im späteren Leben entwickeln. Du Bois (Rev. d. 1. Suisse rom. 17) sah es in drei Generationen einer Familie; es ist gelegentlich sogar schon durch vier Generationen einer Familie verfolgt worden. Auch die Neigung zu maligner Umwandlung kann familiär sein (Hoellstra, Virch. Arch. 237). Recht häutig finden sich unter den familiären Fällen solche wenig ausgebildeten Charakters. — Das Leiden kann trotz der kongenitalen Grundlage auch noch im späteren Alter manifest werden. Marie und Convelaire1) sahen es noch im 52. Lebensjahre auftreten. Häufig verknüpft sich mit ihm eine angeborene Geistesschwäche. Symptome fehlen entweder ganz oder sie entsprechen mehr oder weniger denen einer Neuralgie resp. Neuritis. Die isolierten Neurome können latent bleiben und zufällig bei einer Untersuchung oder auch erst p. m. entdeckt werden. Oft genug werden sie mit Lipomen verwechselt. Selbst da, wo die Geschwulst die Fasern des Nerven auseinanderdrängt, können alle Zeichen der Leitungsunterbrechung fehlen. Andermalen ver¬ raten sich diese Tumoren durch heftige Schmerzen, die von einer bestimmten Stelle ausgehen und nach der Peripherie hin ausstrahlen. Dabei besteht große Druckempfindlichkeit, und es läßt sich bei ober¬ flächlicher Lage der Neubildung durch Palpation eine Auftreibung am ^erven oder eine bewegliche Geschwulst an ihm entdecken. Geht sie von dem Nerven selbst aus, so läßt sie sich nicht in der Richtung seiner Längsachse verschieben, im Gegensatz zu den paraneuralen Tumoren. Auch ist gerade dieser Versuch oft schmerzauslösend. In der Regel kommt es auch zu Parästhesien, zuweilen zur Hypästhesie im Aus¬ breitungsgebiet des betroffenen Nerven, nur selten zur Lähmung und Atrophie. Die Entwicklung der isolierten (Stamm-) Neurome ist meist eine sehr langsame, über Jahre und Jahrzehnte sich hinziehende (Oehlecker, Cassirer). Parästhesien und Schmerzen können allmählich einen sehr hohen Grad erreichen, dauernd die Nachtruhe stören, den Frauken sehr herunterbringen, so daß beim Versagen anderer Mittel die operative Beseitigung (s. u.) sich als notwendig erweist. Bei einem Patienten Oppenheims hat sich im Verlauf der Neurofibromatosis uni- versalis (s. u.) eine Lähmung des Radialis und Ulnaris entwickelt. Auf reflektorischem Wege können sich lokale Muskelspannungen und selbst allgemeine Konvulsionen vom Typus der Reflexepilepsie ent¬ wickeln. Eine Kombination des Leidens mit Epilepsie hat Oppenheim einmal, mit Hysterie. Hypochondrie, Neurasthenie des öfteren beobachtet. Bei einem Herrn, der im 7 '. Lebensjahr an einem Tic erkrankte, war ihm das Fehlen jeder Ätiologie auffallend, bis er entdeckte, daß der Kranke an familiärer Neurofibromatosis litt. In einem anderen Falle bestand eine Art von Schnarchkrampf. Kombination mit Alopecia uni- versalis schreibt Schüle2). Nach Thomson und Adrian sind die verschiedenartigsten Entwicklungshemmungen (Idiotie, Makroglossie, elephantiastische Bildungen an der Haut [Saalmann3), Stockleb4), Ball],. Cheiromegalie [Roubinovitsch5)]. Epispadie, Kryptorchismus, Hernien u. a.) neben diesem Leiden beobachtet worden. Ich (Cassirer) i) Nouvelle Icon. 1900. 2) a. f. P. XXXVI. 3) Virch. Arch. 211. *) I.-D. Jena 16. 5) N. j. 1914/15.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31360877_0001_0942.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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