Einfluss der Rasse und Häufigkeit des Krebses nach dessen Verbreitung im Kanton Bern / von Carl Kolb.
- Kolb, C. (Carl)
- Date:
- [1906]
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Credit: Einfluss der Rasse und Häufigkeit des Krebses nach dessen Verbreitung im Kanton Bern / von Carl Kolb. Source: Wellcome Collection.
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![Zu ähnlichen, ja noch weiter gehenden Ergebnissen betreffs der Juden ist seither Kleinwächter ]) gekommen. Von 153 Christinnen im Alter der Menopause hatten 39 = 18‘9 Proz., von 586 Jüdinnen 18 •— 3 07 Pioz. Uteruskarzinom; ferner unter allen gynäkologischen Kranken ohne Rück¬ sicht auf das Alter hatten es von 994 Christinnen 64= 6'5Proz., von 5987 Jüdinnen 38 = 0*6 Proz. Berücksichtigt man das Karzinom über¬ haupt, nicht nur das des Uterus, so hatten bei dem gynäkologisch-geburts¬ hilflichen Material von 1228 Christinnen 70 = 6*3, von 6ß72 Jüdinnen 65 = 0‘97 Proz. diese Krankheit. Danach erkrankten also die Christinnen 6 mal so häufig als die Jüdinnen, wenn auch Kleinwächter diese Zahlen nicht als absolute Werte hinstellen will. Abgesehen von der Kleinheit der Zahlen bei der ersten und dem Mangel der Altersberücksichtigung bei den folgenden Gegenüberstellungen, lassen die Fehlerquellen, welche in jeder Anstalts- bzw. in jeder Statistik aus der Praxis eines einzelnen Arztes liegen, keinen unzweifelhaften Schluß zu; die Beobachtungen verdienen indessen durchaus eine gebührende Beachtung. Von gegenteiligen negativen Ergebnissen möchte ich nur anführen, daß nach meinen Untersuchungen * 2 3) die großen Unterschiede der Krebshäufigkeit in Süddeutschland nicht durch Verschiedenheit der in Betracht kommenden Volksstämme erklärt werden können und daß auch Prinzing0) bezüglich Österreichs zu dem Schlüsse gekommen ist, daß der Einfluß der Rasse zu verneinen sei. Neben dem allgemeinen Interesse, welches diese Frage des Rassen¬ einflusses bietet, lag für mich noch ein besonderer Grund vor, mich mit ihr zu beschäftigen. Ich hatte gefunden, daß die Krebssterblichkeit im nörd¬ lichen Alpenvorlande südlich der Donau in Deutschland und Österreich eine hervorragend hohe ist, und dies hatte mich veranlaßt, auch das Vorkommen der bösartigen Neubildungen in die Schweiz weiter zu verfolgen. Hier fand sich gleichfalls nördlich von den Alpen dieselbe, ja stellenweise eine noch größere Krebssterblichkeit vor. Im allgemeinen trifft diese die ganze Nord¬ ost-Schweiz. In ihr ist die Verhältniszahl der Krebstoten auf eine Million Lebender über 40 Jahr — welches Verhältnis in dieser Untersuchung mit Verhältniszahl bezeichnet werden soll — überall mit Ausnahme des kleinen Kantons Schaffhausen (3640) und des Halbkantons Nidwalden (3854) über 4000, mit dem Minimum von 4237 in Appenzell a. Rh.; ja in den drei am unteren Teile des Vierwaldstätter Sees liegenden Kantonen Luzern, Zug und Schwyz über 5000, das Maximum im letztgenannten Kanton mit 56864). Zum Vergleich sei angeführt, daß von den 313 Ver¬ waltungsbezirken Süddeutschlands nur 38 über 4000, darunter nur 4 über 5000 Krebstodesfälle auf 1 Million Lebender über 40 Jahr haben. Die Grenze gegenüber der weniger befallenen Westschweiz wird im wesentlichen beim Überschreiten der Kantone Baselland und Bern erreicht. Diese und die noch mehr westlich gelegenen Kantone haben als ganze Kantone die Verhältniszahl von 3000 bis 4000, nur der unter Ausnahmsverhältnissen x) Zeitscbr. f. Geburtshilfe u. Gynäkologie, 47. Bd., 1. Heft, 1902. 2) Zeitschr. f. Hyg., 40. Bd., S. 374 ff., 1902. 3) Zentralbl. f. öffentl. GesundheitspfL, 23. Jahrg., Bonn 1904, S. 209 ff. 4) A. a. 0. S. 458, Tabelle VII.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3060929x_0006.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)