Einfluss der Rasse und Häufigkeit des Krebses nach dessen Verbreitung im Kanton Bern / von Carl Kolb.
- Kolb, C. (Carl)
- Date:
- [1906]
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Credit: Einfluss der Rasse und Häufigkeit des Krebses nach dessen Verbreitung im Kanton Bern / von Carl Kolb. Source: Wellcome Collection.
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![Mischung an. Ebenso erscheint ihm wahrscheinlich, daß die verschiedene frebssterblichkeit in einzelnen Teilen der Vereinigten Staaten durch die Mischung der Rassen zu erklären sei. Er schließt mit dem Satze, daß ewisse Rassen eine besondere Disposition haben, besonders die skandina¬ vische und verschiedene [andere] Zweige der germanischen. Dies zeige ich bei ganzen Ländern und einzelnen Provinzen, wie in Österreich, Frank¬ reich und Preußen. Überblickt man diese Berichte, so ist zunächst einschränkend zu be- nerken, daß alle Mitteilungen über Völker, bei denen es keine ständigen Vrzte gibt und jede Beobachtung eines Krebsfalles vom Zufall abhängt, ron wenig Wert sind. Daher stellten sich auch alle darauf beruhenden Behauptungen von Immunität eines Volkes als irrtümlich heraus. Die um- assenden Forschungen des englischen KrebskomiteesJ) haben vollständig mstätigt, daß „Krebs bei allen Rassen und bei jedem Klima im ganzen eng- ischen Kaiserreiche zu finden ist und daß kein Grund für die Annahme rorhanden ist, daß irgend eine Menschenrasse von dem Leiden frei sei“. Es kann sich also nur darum fragen, ob überhaupt und in welchem Irade Unterschiede in der Häufigkeit des Krebses bei den ein¬ einen Rassen Vorkommen. Jeder Vergleich zwischen zwei Rassen, er nur nach strenger statistischer Methode geführt werden sollte, ist aber ehr leicht trügerisch, weil er nur dann einigermaßen beweisend ist, wenn Ile die Fehlerquellen, welche bei der gefundenen Höhe der Sterblichkeit im Allgemeinen und im besonderen bei der des Krebses berücksichtigt werden müssen, möglichst ausgeschieden werden können. Sind Wohlhabenheit und Uildung, von welchen die größere oder geringere Benutzung ärztlicher Be¬ handlung abhängen, bochgradig verschieden, ist die obligatorische Leichen- hau da gut geordnet^ dort nicht vorhanden oder nur zum Schein gehand- abt, sind die Alterszusammensetzung, die Dichtigkeit der Bevölkerung, die erufs-, Wohnungs-, Ernährungsverhältnisse sehr verschieden, so beweisen vllatürlich abweichende Sterbeziffern der zwei Rassen sehr wenig. So hat : lienn De Bovis* 2) in seiner Zusammenstellung über die bisher bekannt ^wordenen Hilfsursachen, „causes accessoires“ des Krebses, mit Recht zur f ljntscheidung der Frage die Vergleichung von Rassen verlangt, welche unter Möglichst gleichen Bedingungen nebeneinander leben, so daß also die Wir- |)Ling der Rasse möglichst rein hervortreten kann. Er will deshalb auch r eine der bis jetzt veröffentlichten derartigen Gegenüberstellungen als chtig gelten lassen. Es ist dies eine mit Ausscheidung der Ortsfremden rechnete Krakauer Statistik, nach der für die Bevölkerung über Jahren dort 3110 Todesfälle an Krebs auf 1 Million Christen, 2660 auf e Israeliten kommen. De Bovis zieht übrigens doch aus sämtlichen bis- rjjbr veröffentlichten, hierher gehörigen Beobachtungen den Schluß, daß die üdlichen Rassen (Italiener, Neger, Israeliten) eine etwas geringere Dispo- |Hon für Krebs als die nördlichen haben, und unter diesen wären die Ober- butschen und Skandinavier vielleicht am meisten disponiert, „mais ce point besoin d’etre soumis ä une revision serieuse“. D Scientific report on tbe investigations of the Imperial Cancer Research nd by Bashford. Nr. 2, Part 1, 1905, p. 46. 2) Semaine medicale 1902, Nr. 37 und 38. Vierteljahrsschrift für Gesundheitspflege, 1906. 35](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3060929x_0005.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)