Die Darmbakterien des Säuglings und ihre Beziehungen zur Physiologie der Verdauung / von Theodor Escherich.
- Escherich, Theodor, 1857-1911.
- Date:
- 1886
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Credit: Die Darmbakterien des Säuglings und ihre Beziehungen zur Physiologie der Verdauung / von Theodor Escherich. Source: Wellcome Collection.
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![frage der Breslauer medicinischen Facultät angeregten bakterio- logischen Untersuchung von 20 normalen Stühlen gelangt: 1. Die Bakterien der normalen Fäces sind weder Micrococcen noch Bacterium termo, noch Spirochäten, sondern einzig und allein Bacillen. 2. Die Ursache dieses Verhaltens sieht Verfasser in der Tödtung aller organischen Keime durch die freie Säure des Mageninhaltes, mit Ausnahme der Sporen, welche den Magen passiren und im Darme zur Entwicklung gelangen. 3. In der normalen Stuhlentleerung des Erwachsenen finden sich nur 4 Arten von Bacillen. Zwei grosse, dem Heubacillus ähn- liche Bacillenarten mit deutlicher Sporenbildung und mangelnder Eigenbewegung; eine ausserordentlich kleine, für Thiere pathogene Stäbchenart, von der übrigens nicht angegeben wird, ob und in welcher Weise sie Sporen bildet; endlich eine vornehmlich durch charakteristische Wuchsformen (Rosenkränze, Trommelschläger) ge- kennzeichnete Bacillenart, welche das Eiweiss unter Bildung der bei der Darmfäulniss gefundenen Spaltungsproducte bis zu Ammoniak und Kohlensäure zerlegt. 4. Dieser Bacillus tritt im Darmkanal erst mit Zufuhr ge- mischter Ernährung (nicht im Säuglingsalter) auf und ist die alleinige, einheitliche Ursache der bisher mit dem Sammelnamen der Darm- fäulniss bezeichneten Processe. Bei der einschneidenden Wichtigkeit und Neuheit dieser Auf- stellungen muss ich kurz auf dieselben eingehen. Was den ersten Punkt betrifft, so befindet sich Verfasser darin mit allen Autoren in direktem Widerspruche und zwar nicht nur mit denen, die nur mikroskopische (Woodward, Nothnagel), sondern auch mit den- jenigen, die bakteriologische Untersuchungen der Fäces angestellt haben (Stahl, Brieger, Kuisl, meine eigenen). Eine so einseitige, paradoxe Behauptung, welche der erste unbefangene Blick ins Mikro- skop Lügen straft, war eben nur dadurch möglich, dass Bienstock in dem Mikroskop nur einen „mehr nebensächlichen Controlapparat“]) erblickte und die Mannigfaltigkeit der Bakteriengattungen auf Grund seiner Culturresultate für eine Täuschung hielt, während durch die Untersuchungen von Büchner, Kuisl und mir gezeigt wurde, dass ein grosser, ja der grösste Theil der im mikroskopischen Bilde vor- l) Zeitschrift f. kl. Medic. S. 2.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28116410_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)