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Credit: Uber die Embolie der Arteria centralis retinae / von R. Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![Selbstverständlich hat die Centralarterienembolie ihrerseits einige prognostische Bedeutung, insofern als ihr neue Embolien nachfolgen können, die, wie wir sahen, theils ohne allen Nachtheil bleiben, theils zu Erblin- dungen führen, theils ernstere Störungen, Hemiplegien etc. verursachen oder sogar das Leben bedrohen; und sodann ist sie schon als Zeichen einer Erkrankung im Circulationsapparat überhaupt wichtig. Nach Embolie der Centraiarterie verdanken nun der Netzhautkreislauf und das Sehvermögen ihre Wiederherstellung am häufigsten der Ver- kleinerung und Fortbewegung oder der völligen Beseitigung des Strom- hindernisses, der gegenüber andere Einflüsse wie Collateralbahnen, Orga- nisation des Pfropfes u. s. w. in den Hintergrund treten. Die zur Heilung führenden Vorgänge an dem Embolus vollziehen sich meist spontan, d. h. vorzugsweise unter der Einwirkung des Blutdruckes, der auf der einen Seite des Embolus lastet. Allein in einigen Fällen ist auch die Behand- lung von Nutzen gewesen. Medicamentöse Therapie giebt natürlich keine Hoffnung auf Erfolg; nicht einmal Amylnitrit, das sonst bei Amblyopien mit engen Netzhaut- gefässen zuweilen von Vortheil zu sein scheint, möchte ich anwenden, da es gelegentlich zur weiteren Ablösung von Thrombusmassen und zu neuen folgeschweren Embolien Anlass geben könnte. Aus dem gleichen Grunde halte ich es nicht für richtig, dass ohne Wahl Digitalis verordnet wird, falls man keinen anderen Zweck damit verfolgt, als „die Herzaction zu verstärken und so den Embolus fortzutreiben. Warum man bei Ast- embolie eine Erhöhung des intraocularen Druckes und zwar durch Ein- träufelung einer Physostigminlösung (?) angestrebt hat, ist mir unver- ständlich. Genützt hat das Medicament gewiss so wenig wie die übrigen. Strychnininjectionen endlich kommen selbstverständlich ebenso wie Elec- tricität, und wohl nicht ohne Nutzen, nur zur Wiederbelebung der temporär anämischen oder dauernd schwach ernährten Netzhaut zur Anwendung, nicht zur Erfüllung der Indicatio causalis. KationeU erscheinen dagegen unter Umständen gewisse Operationen. Bereits in dem ersten als Embolie der Art. centr. ret. beschriebenen Fall schritt von Geäee1 zur Iridectomie in der Absicht, den intraocularen Druck und damit den Widerstand, den einströmendes Blut finden würde, herabzusetzen und so die Entwicklung eines Collateralkreislaufes zu er- leichtern. Das vorhandene geringe Sehvermögen nahm danach etwas zu, ebenso wie die Gefässfüllung. Aber das Auge wurde hinterher doch amaurotisch. Einen ähnlichen Verlauf hatten die meisten Fälle, in denen eine Iridectomie oder Punction der vorderen Kammer vorgenommen wurde, 1 Archiv für Oph(halmolo<]ie. V. 1859. 1. S. 136. Fischer, Embolio. 10](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21989461_0253.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)