Anatomie des menschlichen Gebisses : mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Zahnersatzkunde.
- Mühlreiter, E.
- Date:
- 1891
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Credit: Anatomie des menschlichen Gebisses : mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Zahnersatzkunde. Source: Wellcome Collection.
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![Die innere, der Zunge zugekehrte Knocheuplatte des Alveolar- fortsatzes ist in beiden Kiefern stärker, als die äussere faciale, welche ihrer dünnwandigen Beschaffenheit zufolge durch die Wurzeln in Gestalt von länglichen, wulstartigen Erhabenheiten — Juga alveo- laria — bald schwächer, bald kräftiger vorgebaucht wird. Für die Diagnosticirung des Yerlaufes und der Stärke der Wurzeln giebt die Betastung der Juga alveolaria immerhin einen beachtenswerthen Anhaltspunkt ab. Eine Ausnahme von dem geschilderten Verhalten macht nur das rückwärtige Endstück vom Alveolarfortsatze des Unterkiefers. Schon in der Gegend des ersten Mahlzahnes erlangt die faciale Platte eine etwas grössere Stärke und ungefähr vom zweiten an schwillt sie zu einem massiven, dem zweiten und dritten Molaris breit vor- gelagerten Knochenwulste an, aus dem sich eine in den Processus coronoidetis übergehende, schief nach auf- und rückwärts ziehende, zugleich immer mehr vorspringende Leiste — Linea oUiqua — ent- wickelt. An diesem Theile des Unterkiefers gehen daher die Juga alveolaria gänzlich verloren. Die Ränder an den Eingangsööhungen der Zahnzellen folgen in einem gewissen Abstände, der im jugendlichen Alter geringer, im reiferen grösser ist, so ziemlich der Begrenzungslinie des Schmelzes an der Kronenbasis der Zähne. Im frontalen Theile der beiden Kiefer sind dementsprechend die Lippen- und Zungenwände halb- mondförmig ausgerandet, während die Zahnscheidewände mit einem convex erhöhten Rande endigen, daher über erstere etwas vorragen. Die Zahnscheidewände sind auch dicker als die labialen und lingualen Alveolenwände, und namentlich die Randzonen der letzteren werden bei den Sci)neide- und Eckzähnen so zart und dünn, dass an den- selben oftmals Substanzdefecte auftreten. An den die Mahlzähne tragenden Seitentheilen der Kiefer liegen dagegen die Alveolenränder viel mehr in einem und demselben Niveau, und die hier besonders dicken Ränder der Zahnscheidewände erscheinen von zahlreichen Gefässöffnuugen durchbohrt, durch welche ein Tlieil der interalveolaren Gefässe und Nerven ihren Weg zum Zahnfleische nimmt. An dem blindsackartigen P]nde einer jeden Zahnzelle findet man eine oder auch me))rere grössere Oelfnungen für den Durciitritt von Gefässen und Nerven, welche direct in den Wurzelcanal und in die Pulpahöhle ziehen; aber auch die Seitenwände besitzen feine Oelf- nungen, durch welche ein anderer Theil der Interalveolargefässe —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21212387_0169.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)