Ein auffallendes Ergebnis der ungarischen Krebsstatistik vom 15. Oktober 1904 / J. Dollinger.
- Dollinger, Julius.
- Date:
- 1907
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Credit: Ein auffallendes Ergebnis der ungarischen Krebsstatistik vom 15. Oktober 1904 / J. Dollinger. Source: Wellcome Collection.
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![(Sonder-Abdruck aus der Zeitschrift für Krebsforschung. V. Bd.) Prof. J. Dollinger, Budapest: Ein auffallendes Ergebnis der ungarischen Krebsstatistik vom 15. Oktober 1904. Verehrteste Versammlung! Es sei mir gestattet, Sie nach dieser glänzenden Reihe von pathologischen und pathologisch-anatomischen Vor¬ trägen auf ein Ergebnis der ungarischen Krebsstatistik aufmerksam zu machen, welches, wie ich glaube, hauptsächlich vom klinischen Stand¬ punkte aus nicht ohne Interesse sein dürfte. Nach der sehr gut gelungenen Sammelforschung des deutschen Krebs¬ komitees vom Jahre 1900 veranstalteten wir im Jahre 1904 in Ungarn eine ähnliche Sammelforschung, welche zu dem Ergebnisse führte, dass in den Ländern der ungarischen Krone am 15. Oktober des genannten Jahres 3570 Krebskranke konskribiert wurden. Ausserdem wurde auf Verfügung des Chefs des ungarischen statistischen Zentralamtes, des Herrn Ministerial¬ rates J. von Vargha das ganze Krebsmaterial der ungarischen Sterblich¬ keitsstatistik von den Jahren 1901 —1904 in ähnlicher Weise, wie jenes der Sammelforschung ausgearbeitet. Während dieser 4 Jahre sind in den Ländern der ungarischen Krone 26 912 Personen an Krebs gestorben, also 7]/2 mal soviel als wir konskribierten. Ich habe während der letzten Mo¬ nate die Ergebnisse beider Statistiken nebeneinandergestellt aufgearbeitet. Die ganze Arbeit wird demnächst auch in deutscher Sprache erscheinen. Bei der Vergleichung der Daten beider Statistiken stellte es sich heraus, dass die Zahl der an Krebs Verstorbenen jene der Konskribierten bei den einzelnen Organen verschiedenemal übertrifft, so bei der Leber, bei dem Magen, bei der Niere 31—49 mal, bei dem Kehlkopfe, Oesophagus, Darm¬ rohr 12—16 mal, bei der Gebärmutter, bei der Mundhöhle 5—6 mal, hin¬ gegen bei den Krebsen der Brustdrüsen nur 1,8 mal, bei den Hautkrebsen nur 1,5 mal, während bei den Lippenkrebsen das Verhältnis ein um¬ gekehrtes ist, denn es entfallen auf 454 Konskribierte nur 207 Verstorbene, d. i. die Zahl der in 4 Jahren an Lippenkrebs verstorbenen ist 2,1 mal geringer als die der am 15. Oktober 1904 konskribierten. Von den Brustdrüsenkrebsen ist es bekannt, dass sie sehr häufig in inneren Organen Metastasen bilden. Ich bin dessen überzeugt, dass ein Teil jener, die laut unserer Statistik an Leberkrebs oder an Krebs des Knochensystems gestorben sind, primär an Brustdrüsenkrebs erkrankten. Aber die Hautkrebse, namentlich die des Kopfes, sowie die Lippenkrebse bilden in inneren Organen nur ausnahmsweise Metastasen. Sie töten die Kranken durch örtliche, weitgreifende Zerstörungen, durch Uebergreifen auf die regionären Lymphdrüsd^^urch ihre Abscedierung usw. In unserer vierjährigen Sterblichkeitsstatistik befinden sich ausser den 207 an Lippen¬ krebs verstorbenen noch 94 Lymplidrüsenkrebse des Halses und 125 Krebse](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30610643_0003.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)