Anatomie der Mundhöhle : mit besonderer Berücksichtigung der Zähne / von E. Zuckerkandl.
- Zuckerkandl, Emil, 1849-1910.
- Date:
- 1891
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Credit: Anatomie der Mundhöhle : mit besonderer Berücksichtigung der Zähne / von E. Zuckerkandl. Source: Wellcome Collection.
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![vordere Partie der knöchernen Pfanne in die Gelenkhöhle einbezogen. Am Unterkiefer umfasst die Kapsel das Köpfchen und fixirt sich randständig an der Gelenksfacette. Ein Verstärkungsband tritt nur an der lateralen Kapselwand auf; denn das sogenannte mediale Seitenhand spielt im Mechanismus des Kiefergelenkes keine Rolle. Das laterale Seitenhand ent- springt am .Jochbogen und geht schräg ab- und rückwärts zum Unterkiefer- halse herab. Das innere Seitenband beginnt am hinteren Rand der Pfanne, ferner an der Spina angularis und spaltet sich im Laufe gegen seine Insertion in zwei Schenkel. Von diesen setzt sich der kürzere am Unterkieferhals, der längere am Foramen mandibulare fest. Im Spalt zwischen den beiden Bandschenkeln schiebt sich die Arteria maxillaris interna sammt dem sie begleitenden Venengeflechte ein. Jedes Kiefergelenk ist durch die Bandscheibe in ein oberes und ein unteres Gelenk getheilt. Im oberen ist die Bandscheibe, im unteren der Condylus der bewegliche Gelenkkörper. Die Axe des Bandscheiben- gelenkes befindet sich im Tuberculum articulare, die des unteren Ge- lenkes in der Walze der Kinnlade. Die Bewegungen, die im Kiefergelenk ausgeführt werden, bestehen in Drehungen des Unterkiefers nach unten und oben, wobei sich die Zahn- reihen aneinander schliessen oder voneinander entfernen. Abgesehen davon, lässt sich- der Unterkiefer seitlich verschieben und das Wechselspiel dieser Bewegungen stellt die Mahlbewegungen im engeren Sinne dar. Prüft man die einzelnen Bestandtheile des Gelenkes auf ihr Ver- halten bei den Bewegungen des Unterkiefers, so ergibt sich Folgendes: Bei geschlossenen Kiefern liegt die Bandscheibe an der steilen hinteren Wand des Tuberculum articulare, und der Condylus schmiegt sich der Bandscheibe an. Wird nun, wie beim typischen Oeffnen des Mundes, der Unterkiefer gesenkt, so dreht sich im oberen Gelenke die Bandscheibe nach vorne, dieselbe schiebt sich auf das Tuberculum articulare vor und schleppt den Unterkiefer mit, während sich der Unterkiefer seinerseits in der Bandscheibe nach hinten dreht. Die Drehung des Unterkiefers geschieht demnach nicht um eine fixe, sondern um eine momentan im Räume fortschreitende Axe [Langer7)]. Beim Schliessen des Mundes er- folgen die Bewegungen in umgekehrter Ordnung; es dreht sich der Unterkiefer in der Bandscheibe nach vorne und die Bandscheibe gleitet in die knöcherne Pfanne zurück. Die Bewegung beim Oeffnen des Mundes setzt sich, wie C. Langer treffend bemerkt, aus einer Drehbewegung und aus einer fortschreitenden Bewegung zusammen. Die Oeffnung des Mundes ist stets mit einer Vorwärtsbewegung des Cond^ylus verbunden. So lange der Condylus in seiner Pfanne ruht, ist der Mund geschlossen; wohl aber kann die Kinnlade nach vorne gleiten ohne Oeffnung des Kieferschlusses.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21085547_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)