Das Ei und seine Befruchtung / von Anton Schneider.
- Schneider, Anton, 1831-1890.
- Date:
- 1883
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Credit: Das Ei und seine Befruchtung / von Anton Schneider. Source: Wellcome Collection.
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![Einleitung. Zm April des Jahres 1873 veröffentlichte ich Untersuchungen*) über die Zelltheilung bei Mesostomum und Distoma, worin ich zuerst die bei der Theilung eintretende Metamorphose des Zellkerns bechrieben habe. Mesostomum Ehrenhergii zeigt von allen mir bis jetzt be- kannten Thieren diese Erscheinung am deutlichsten, und diesem glücklichen Umstande verdanke ich ihre Entdeckung. Man fand dieselbe bald noch bei vielen anderen Thieren. Dass eine ähnliche Metamorphose auch bei den Pflanzen Vorkommen würde, war mir von vornherein sehr wahrscheinlich. Denn schon in dem, nicht blos den Botanikern sondern auch den Zoologen wohl bekannten Lehrbuche von Sachs (S. 14) befindet sich eine Figur, die Sporenbildung von Equisetum limosum betreffend, welche deutlich darauf hinwies, dass dieselbe auch bei der Theilung pflanzlicher Zellen eintritt. Kurz, es hat sich diese Erscheinung als eine so verbreitete herausgestellt, dass man eher fragen muss, ob überhaupt eine Zelltheilung ohne dieselbe vorkommt. In denWerken von Strasburger**), Mark***) and Flemmingf) findet man schon eine zusammenfassende Darstellung dieses Gegenstandes. Besonders in der gründlichen und ausgezeichneten Arbeit von W. F lern min g sind die bisherigen Untersuchungen, an welchen der Verfasser selbst einen so hervorragenden Antheil hat, historisch treu dargestellt und zu einem wohlgeordneten System verbunden. In dem folgenden will ich nur einen abgegrenzten Theil dieses Gegenstandes behandeln, wie ich ihn im Titel bezeichnet habe. O. Hertwigj--|-) hat nämlich die Metamorphose, welche der Eikern vor und nach der Befruchtung erleidet und welche ich zum Theil bereits bei Mesostomum beschrieben hatte, in Verbindung mit dem Eindringen des Spermatozoon ge- bracht und folgende Theorie aufgestellt: Der Eikern erleidet bei der Reife des Ei’s eine rück- schreitende Metamorphose, bei welcher nur der Keimfleck (Nucleolus) übrig bleibt, der von da ab als weiblicher Eikern zu bezeichnen ist. Aus dem eingedrungenen Spermatozoon entsteht ein zweiter Kern, der Spermakern. Beide Kerne verschmelzen mit einander und bilden einen neuen Kern, den Furchungskern, welcher nun als Kern der Eizelle sich bei der Furchung theilt. Durch die weiteren Untersuchungen 0. Hertwig’s selbst, Selenka’s *) Das Nähere siehe unten in dem Abschnitt über Mesostomum Ehrenhergii. **) E. Strasburger, Zellbildung und Zelltheilung. 3. Auflage. Jena. 1880. ***) E. L. Mark, Maturation, Fecundation and Segmentation of Limax campestris. Bulletin of the Museum of com- parative Zoology at Harvard College Cambridge. Cambridge, Mass. U. S. 1881. •]-) W. Flemming, Zellsubstanz, Kern und Zelltheilung. Leipzig 1882. ■}}■) O. Hertwig, Beiträge zur Kenntniss der Bildung, Befruchtung und Theilung des thierischen Eies. Morpho- logisches Jahrbuch, herausgegeben von Gegenbaur. Bd, III. p. 347 (1876).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22324616_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)