Ueber die Wirkungen der verdünnten Luft auf den Organismus : eine Experimental Untersuchung / von A. Fraenkel und J. Geppert.
- Date:
- 1883
Licence: Public Domain Mark
Credit: Ueber die Wirkungen der verdünnten Luft auf den Organismus : eine Experimental Untersuchung / von A. Fraenkel und J. Geppert. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
18/128 (page 12)
![liaui)t nicht walirgcnommen. Häufig Avird sogar die Lage in der Gondel als eine ganz behagliche geschildert. Steigt der Ballon weiter, so treten nach einander folgende Erscheinungen auf. Zunächst beschleunigt sich der Puls, der Herzschlag wird fühlbar stärker, Hände und Lippen bläuen sich, Dyspnoe tritt ein und wird um so quälender, je höher der Ballon steigt. Alsdann Avird das Auge unfähig, feinere Umrisse, die Grade des Thermometers, die Linien des Barometers, die Theilungen am Ziiferblatt der Uhr zu erkennen. Sehr bald gesellen sich noch weitere Sym])tome, Zeichen der herannahenden Gefahr hinzu: plötzlich werden Arm und Bein gelähmt. Der Arm, der eben noch seine volle Kraft besass, kann nicht mehr gehoben werden, die Beine tragen den Körper nicht mehr. Rapide schreitet diese Paralyse fort, indem der Kopf auf die Schulter sinkt, die Muskeln der Wirbelsäule und des Beckens gelähmt Averden. Schliesslich sinken die IndiA'iduen, unfähig sich zu beAA'egen, A'öllig zusammen. Vor den Augen bcAvegen sich un- deutlich die Bilder der umgebenden Gegenstände, die Zunge ist gelähmt, Avährend das BeAA^usstsein noch erhalten ist. Dann hört auch das Sehen auf, es tritt völlige Umnachtung ein; noch kurze Zeit und tiefer, ruhiger Schlaf erfolgt, aus dem es kein Erwachen mehr giebt, Avenn der Ballon noch Aveiter steigt. — Drei Stadien lassen sich in diesem geschilderten Symptomenbilde unterscheiden: 1) das Stadium der Dyspnoe; 2) das Stadium der Lähmungen; 3) das Stadium der Somno- lenz, Avelches letztere sich unterhalb eines Druckes A^on 27 Ctm. zu entwickeln beginnt. Wie man sieht, entsprechen die Avesent- lichsten dieser Erscheinungen ziemlich genau den auch bei Thieren in der Glocke gefundenen Veränderungen. Und in der That ist ja die Ballonfahrt in gCAvisser Hinsicht einem Experiment gleichzusetzen, Avelches uns über den Einfluss der verdünnten Luft auf den menschlichen Organismus directe Auf- klärung gcAvährt. NichtsdestoAveniger zeigen sich bei genauerer Betrachtung einige Unterschiede soAvohl in der Art der Wir- kung, als auch in der Eigenthümlichkeit der durch sie pro- ducirten Erscheinungen. Zunächst haben die Luftschiffer stets unter einer continuir- lichen, intensiven Dyspnoe zu leiden, Avährend diese bei gleichen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2199206x_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)