Die Behandlung der complicirten Fracturen.
- Volkmann, Richard von, 1830-1889.
- Date:
- 1877
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Credit: Die Behandlung der complicirten Fracturen. Source: Wellcome Collection.
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![^24 Piichard Volkmann. (2 schreckend gross, während in England, wo man früher als bei uns, oder gar als in Frankreich auf Salubrität der Krankenräume und pein- liche Reinlichkeit bei dem Verbände der Wunden zu achten begann, die Erfolge merklich besser waren. Immerhin war die Sterblichkeit auch in den englischen Spitälern noch eine bedeutende, und was das schlimmste und bezeichnendste für die Situation war: im Einzelfalle konnte man niemals auch nur die geringste Garantie für den Aus- gang geben. In dem einfachsten Falle von Durchstechungsfractur, avo abo nur ein spitzes Fragment die Haut mit einer kleinen, scharf geschnit- tenen Wunde durchbohrt hatte, das jedoch unmittelbar nach der Ver- letzung wieder zurücktrat oder reponirt wurde, wo keine Splitterung der Knochen, keine Quetschung der Weichtheile stattgefunden, konnte kein Chirurg, wie erfahren er auch sein mochte, und wie sehr er sich auch praktische Routine in der Behandlung dieser Verletzungen erworben, vor- hersagen, ob er dem Kranken das Leben erhalten Averde oder nicht. Wie gross, was uns speciell interessirt, die Verluste in Deutschland gewesen sind, wie gross sie dort noch sind, wo man von den verschie- denen antiseptischen Maassnahmen und Verbänden ganz abstrahirt, darüber fehlen uns alle grösseren statistischen Zusammenstellungen. ^Manche Chirurgen, die grossen Krankenhäusern vorstehen, kennen ihre eignen Resultate nicht. Sie würden erschrecken, wenn ihnen die Todes- zahlen vorlägen. Andere' können sich nicht dazu entschliessen ihre un- günstigen Ziffern zu veröffentlichen. Es ist nicht jedem der Muth gegeben wie meinem Collegen Nussbaum, der, um ein Beispiel von einer an- deren, früher eine noch grössere Sterblichkeit gebenden Verletzung anzu- führen, die gegenwärtig an und für sich ebenfalls eine durchaus gefahr- lose geworden ist — sich nicht gescheut hat, es drucken zu lassen, dass er in den sechzehn Jahren vor Einführung der antiseptischen Methode in Krieg und Frieden 64 Oberschenkel amputirt und nur 7 Operirte durch- gebracht habe. Nach Nussbaum's Bekenntniss ist es für mich freilich leicht zu erklären, dass meine Erfolge früher nicht sehr viel besser Avaren: ich bringe jetzt jedes Jahr mehr Oberschenkelamputirte durch, als ich bis zur Einführung der antiseptischen Wundbehandlung, während meiner gan- zen chirurgischen Laufbahn durchgebracht habe. Grössere Zahlenreihen, welche eine Einsicht in die Mortalität der offe- nen Knochenbrüche bei nicht antiseptischer Behandlung gestatten, liegen nur für die Schussfracturen vor. Ich führe Ihnen hier nur einige wenige Zahlen, nach den allgemein bekannt gewordenen Zusammenstel- lungen von Billroth an. Sie entsprechen allerdings in einer Hinsicht nicht ganz den gegenwärtig von uns an sie zu stellenden Anforderungen, insofern sie die Primär-Amputirten einschliessen, die, Avenn es sich um die Erfolge der Behandlung von Fracturen handelt, natürlich nicht in Betracht kommen können. Nach ]jillroth's Zusammenstellun-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21204858_0008.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)