Volume 4
Christian Friedrich Schönbein 1799-1868 : Ein Blatt zur Geschichte des 19. Jahrhunderts. [1. Teil] / von Georg W.A. Kahlbaum und Ed. Schaer.
- Georg Kahlbaum
- Date:
- 1899, 1901
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Christian Friedrich Schönbein 1799-1868 : Ein Blatt zur Geschichte des 19. Jahrhunderts. [1. Teil] / von Georg W.A. Kahlbaum und Ed. Schaer. Source: Wellcome Collection.
36/262 page 8
![tagen aber gieng ich eine Stunde weit auf einen Höhenpunkt]), von dem aus ich zwar nicht Metzingen selbst, wohl aber bekannte Berge, die in der Nähe meines Geburtsortes lagen und die ich oft als Knabe bestiegen hatte, deutlich sehen konnte. Stundenlang verweilte der Knabe an diesem Ort, mit sehnsüch- tigem Auge hinüberblickend auf das blaue heimische Gebirge, das er als den einzigen Bekannten und Freund in der ihm sonst fremden Welt betrachtete. In solchen Stimmungen hätte ich alles gegeben nur um eine Stunde zu Hause zu seyn. Nach und nach milderte sich die Heftigkeit dieser Gefühle und ver- schwand das Heimweh.“ Aus dieser Heimwehstimmung heraus hat er an die Lieben im Vaterhaus ein paar Verse gerichtet, die ich mir nicht ver- sagen kann, hier abzudrucken. Auf rauhem, grobem, mit Respektsrand versehenem, sauber liniiertem Papier, mit den verschnörkelten gotischen Buchstaben des vorigen Jahrhunderts, von ungeübter Kinderhand, aber sauber und akkurat, geschrieben, macht dieses erste ScHÖNBEiN’sche Manuskript schon äusserlich einen geradezu rührenden Eindruck, der durch den Inhalt, der uns ein so recht gutes, braves Kind zeigt, noch in hohem Masse verstärkt wird. Das Gedicht lautet: 1. In dieser Welt ist nichts als scheiden die Lieben von den Lieben weg Ach Herr hilf mir aus diesen Leiden Ach räume es doch aus dem Weg du siebest jetzt mein mattes Herz Und wie es ist erfüllt mit Schmerz. 2. Ach meine liebe Aeltern fraget wie es doch sey um solchen Schmerz wenn dann Euch Euer Christian saget und das sagt er nicht in dem Scherz es ist recht arg von Aeltern seyn und seli’n von seinen Lieben Kein. *) Es wird das der Schönaicher First, von dem man einen weiten Blick auch über die Alb geniesst, gewesen sein.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24877128_0004_0036.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


