Volume 1
Die Chirurgie der Nieren der Harnleiter und der Nebennieren / von Ernst Küster.
- Küster, Ernst Georg Ferdinand, 1839-
- Date:
- 1896-1902
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Credit: Die Chirurgie der Nieren der Harnleiter und der Nebennieren / von Ernst Küster. Source: Wellcome Collection.
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![charakteristische Ausdrücke: [laXiaia [J.sv ßa{>si-/]V TO[i.-?iv y.axä töv vstf pov und weiterhin: Tä[j-vsiy töv vs'fpöv xal atptevai la Trüa. Hiernach ist das Eine wohl unzweifelhaft, dass Hippokrates unter allen Umständen bis in den Abscess vorzudringen anräth; da aber der Abscess häufiger in der Niere, als in ihrer Umgebung liegt, so wird eben auch häufiger in die Niere eingeschnitten sein. Indessen erscheint es fruchtlos, über die Tiefe des Schnittes zu streiten. Die alten griechischen Aerzte haben sich ofienbar jene Frage gar nicht vorgelegt und nicht vorlegen können: sie waren vielmehr zufrieden, wenn neben dem Messer der Eiter aus dem Schnitte hervorquoll. Der nächste Schriftsteller der alten Welt, welcher hier in 13etracht kommt, ist A. Cornelius Celsus, welcher in der Zeit um Christi Geburt lebte und schrieb. Seine allgemeinen Angaben über Nieren- krankheiten mit blutigem oder eitrigem Urin sind sehr unbestimmt; die Symptome des Nierensteines werden von denen des Blasensteines gar nicht unterschieden. Dagegen finden sich sehr bestimmte Aus- sprüche über Nierenverletzungen. Zunächst ein öfter angeführter Aus- spruch über Nieren wunden: „Servari non potest, cui . . . . renes vul- nerati sunt. Dann eine ebenso bestimmte Beschreibung der Nieren- contusion: „Renibus vero percussis dolor ad inguina testiculosque descendit: difficulter urina redditur; eaque aut est cruenta, aut cruor fertur. Wir treffen hier also zum ersten Mal auf eine Erwähnung der Nierenwunden, die indessen als unweigerlich tödtlich bezeichnet werden: eine Auffassung, welche sich bis ins 18. Jahrhundert erhalten und fortgepflanzt hat. Sie hat unzweifelhaft eine weitere Entwicklung der Hippokratischen Behandlungsmethoden gehindert, wie aus den Aus- sagen vieler späterer Schriftsteller hervorgeht; denn wenn die Nieren- wunden als tödtlich angesehen wurden, so musste es natürlich mehr als vermessen erscheinen, in eine noch leidlich gesunde Niere einzu- schneiden, um Eiter oder Stein zu entleeren. Unter dieser Furcht standen offenbar alle nun folgenden Schrift- steller der alten Welt, soweit sie sich mit Nierenkranklieiten beschäf- tigt haben. Als erster ist zu nennen der Kappadocier Aretäus, ein aus der alesandrinischen Schule hervorgegangener und in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts lebender Arzt, welcher ein übrigens vor- treffliches Compendium der Heilkunde hinterlassen hat. An zwei Stellen desselben beschäftigt er sich mit Nierenkrankheiten. Er schildert sehr gut die Ursachen und Symptome der Verstopfung der Harnleiter, welche durch Stein, Blutgerinnsel u. s. w. hervorgerufen werden; von einem operativen Eingriff aber ist nirgends die E.ede. Ebensowenig finden sich als Ursache der Blutungen, die er ausführlich bespricht, Ver- letzungen erwähnt. Auch der grosse G. Claudius Galenus hat sich von der Furcht vor einer Verletzung des Nierengewebes nicht freizumachen gewusst; denn wenn er sich bei Besprechung der Nierenkrankheiten sonst auch ziemhch eng an sein Vorbild Hippokrates anschliesst, so fehlt doch vollkommen die Erwähnung eines operativen Eingriffes bei Nieren- eiterungen; vielmehr verlässt er sich einzig auf den Durchbruch des Eiters nach innen und Entleerung desselben mit dem Urin. „Frei- lich, so fährt er fort, „bringt dies der Niere die Gefahr der Ge- schwürsbildung und muss man daher in jeder Weise für die Vernarbung](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21782325_0001_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)