Volume 5
Darstellung und Beschreibung der Arzneigewächse, wie auch solcher Pflanzen, welche mit ihnen verwechselt werden können / von Friedrich Gottlob Hayne.
- Hayne Friedrich Gottlob, 1763-1832.
- Date:
- 1853-1856
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Credit: Darstellung und Beschreibung der Arzneigewächse, wie auch solcher Pflanzen, welche mit ihnen verwechselt werden können / von Friedrich Gottlob Hayne. Source: Wellcome Collection.
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![Der Stempel. Der Fruchtknoten länglich-eyförmig, über dem Kelche. Der Griffel fadenförmig, gegen die Spitze verdickt, länger als der Kelch. Die Narbe pinselförmig. Die Fruchthülle fehlend Der Same wie bey der zwitterlichen Blume, Die Gattung -Parietaria hat, so wie die Gattung Elastostoma, das Ausgezeichnete, das die Staubgefäfse elastisch und reizbar sind. Bis kurz vor dem Offnen der Blume sind die Sianbgefäfse so in einander gebogen, dafs die Staubkölbchen mit den Spitzen an der Basis des Fruchtknotens liegen (t. t .f. 2.); tritt aber der Zustand des Blühens ein, — den man, ehe er von selbst erfolgt, auch durch Reizen der Staubgefäfse mit einer Nadel etwas früher herbeyführen kann, — so geschieht dies sehr plötzlich, indem die Staubgefäfse mit gröfster Schnelligkeit sich ausrecken, und Zurück- schlagen, wobey der Kelch auch eben so schnell geöffnet, und ausgebreitet, und der Befruchlungs- staub der zu gleicher Zeit aufspringenden Staubkölbchen umhergeschleudert wird, wodurch dann mehrere der umherstehenden weiblichen und zwitterlichen Blumen befruchtet werden. Bey die- sem plötzlichen 'Hervorspringen der Staubgefäfse wird gewöhnlich die Narbe von dem hrucht- knoten getrennt und fortgeschleudert (f. 3.],.. so, dafs keine der zwitterlichen Blumen sich selbst befruchten kann, sondern schon vor ihrem Offnen von einer früher blühenden befruchtet werden mufs. Untersucht man bey der geöffneten Blume die Staubgefäfse, so findet, man, dals die Staub- fäden aus einzelnen Gliedern bestellen (f. 3 u. :p), die nur an der innern Seite bemerkbar wer- den, weil sie da durch ihre eigne Elasticität von einander sich entfernen, während sie an der äu- fsern Seite des Staubfadens ein Continuum ausmachen, und genähert bleiben, wodurch dann auch bey den Staubgefäfsen das schnelle Ausstrecken und Krümmen nach aufsen hervorgebracht wird. Das Kraut, Herba Parietariae*), wird jetzt von Ärzten nicht mehr gebraucht. Nach Remler verliert es beim Trocknen f J von seinem Gewicht an Feuchtigkeit. Es ist geruchlos und von etwas zusammenziehendem schleimigem Geschmack. Man schrieb ihm ehemals erweichende und harntreibende Kräfte zu, und empfahl es beym Husten, bey der Auszährung und bey der Wasser- sucht, wo man jetzt aber mehr wirkender Mittel sich bedient. Erklärung der Kupfertafel. Das Gewächs in natürlicher Gröfse, am Stengel durchschnitten. Fig. I. Ein ge. zw eit heilt er Blumenstiel, an welchem man auch die Stellen bemerkt, Wo die Blumen gesessen haben, vergrößert. 2. Eine zwitterliche Blume vor dem Offnen, von welcher der Kelch weggenommen ist, und 3. eine geöffnete Blume, bey welcher die Staubgefäfse ausgebreitet und zurückge- krümmt sind, vergröfsert. 4- Ein Stuck eines Staubfadens stark vergrößert, wo man die elastischen Glieder desselben noch deutlicher als bey der vorhergehenden Figur gewahr wird. 5. Eine weibliche Blume vergröfsert. Die punktirten Linien zeigen an dem Blumen- stiel die Stellen an, wo weibliche Blumen gesessen haben; die übrigen Stellen waren mit zwitterli'Jien besetzt. 6. Die weibliche Blume vom Kelche befreyet und vergröfsert. 7. Der mit,dem bleibenden Kelche bedeckte Same einer zwitterlichen Blume in natürlicher Gröfse. 8. Derselbe vergröfsert,. 9. vom Kelche befreyet und 10. der Queere nach durchschnitten. *) In Königsberg in Prenfsen und den benachbarten Städten sammelt man unter diesem Nahmen das jyielampyruni nemorosum.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21705112_0003_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)