Volume 10
Darstellung und Beschreibung der Arzneigewächse, wie auch solcher Pflanzen, welche mit ihnen verwechselt werden können / von Friedrich Gottlob Hayne.
- Hayne Friedrich Gottlob, 1763-1832.
- Date:
- 1853-1856
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Credit: Darstellung und Beschreibung der Arzneigewächse, wie auch solcher Pflanzen, welche mit ihnen verwechselt werden können / von Friedrich Gottlob Hayne. Source: Wellcome Collection.
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![Bey dem Mangel des echten afrikanischen Kino sind daher im Handel einige Stellvertreter erschie- nen, und diese sind das Kino aus Ostindien, aus Westindien oder Jamaika und aus Neu-Holland ■■■) Das Kino welches aus Ostindien nach England gebracht wird, kommt, wie Bernhard i (Tromrnsd. n. Journ. B. IV. St. 2. p. 89-j bemerkt, in Kisten von ein- bis zwey Ceniner vor, an deren Deckel innerhalb ein Zettel sich befindet, worauf der Name John Brown, so wie auch der Monat und das Jahr der Ausführung bemerkt ist. Man meint, dafs es aus Amboina komme; von welcher Pflanze aber es abstamme, ist noch nicht mit Gewifsheit ausgemacht. Nach Virey (Bull, de pharmac. T. VI. No. VI. p. 241. und hieraus in Tromrnsd. Journ. B. 24. St. 2. p. 208/) soll das gewöhnliche Kino ein trocknes Extract der Stengel der Nauclea Gambir seyn; 'und nach diesem Ausspruche leitet man nun das ostindische Kino von der genannten Pflanze ab. Virey bezieht sich zur Unterstützung seiner Meinung auf John Fleming (Asiatic Research. Vol. XI. p. ]87.J und auf William Hunter (Transact. of the Linn. Soc. Vol. IX p. 2LP.J, beide aber sagen nur, dafs man aus den Blättern der Nauclea Gambir die Dro<me bereite, wel- che, in kleine Kuchen geformt, unter dem Namen Gutta Gambir bekannt sey, und dafs sie in Indien zum Kauen mit ßetelblättern wie das Catechu sehr häufig gebraucht werde. Die Syno- nyme von Gutta Gambir, welche verleiten könnten, es für gleich zu halten mit Gummi Gam- bie/ise, oder Kino, sind: Gutta Gambeer Hunter, Gitta Gambir Murray, Gatta Gam- bir Rumph, Gatta Gamber Murray und Cattu Cambar Retz. Der letztere hier ange- führte Schriftsteller sagt aber ebenfalls von seinem Cat tu Cambar, dafs es zum Kauen mit Be- tel benutzt werde, und meint zugleich, indem er sich auf Kämpfer bezieht, dafs es die echte Terra Catechu sey. Es steht daher wohl das Gutta Gambir, welches aus der Nauclea Gam- bir erhalten und in Kuchen geformet wird, auf jeden Fall dem Catechu näher, als dem Kino; dennoch aber ist es sehr glaublich, dafs es, seiner Natur nach beiden verwandt, für letzteres un- ter einer diesem ähnlichen Form im Handel Vorkommen kann, da es doch nur als ein Stellver- treter des echten Kino erscheint. Ja, dies ist sogar sehr wahrscheinlich, da sein Verhalten, so weit wie Hunter es angiebt, mit dem des ostindischen Kino ziemlich übereinstimmt; aber es ist weder von Fleming noch von Hunter dafür ausgegeben worden. Das aus Ostindien oder Amboina kommende Kino hatte nach A. Todd. Thomson’s Unter- suchung unter den im Handel vorkommenden und sehr von einander abweichenden Sorten noch die meiste Ähnlichkeit mit einem Kino, welches für echt afrikanisch gehalten wurde, bis ist die- sen Untersuchungen zufolge geruchlos, sehr herbe, anfangs versteckt bitter, läfst aber nachher etwas Süfsliches bemerken. Es kommt in kleinen, gleichförmigen, dunkelbraunen, glänzenden, spröden Stücken vor, die das Ansehen eines zerbrochnen, trocknen Extracts haben, leicht zerreiblich sind, und ein hellbraunes Pulver geben. Wasser löst zwey Drittheil davon auf, und giebt eine dunkel- braune, klare Auflösung, in welcher der unaufgelöst bleibende Tlieil lange schwebend sich erhält, wenn von neuem Wasser hinzugesetzt wird. Alkohol löst den gröfsten Theil davon auf, und bildet eine dunkle Tinctur, von der Farbe des rothen Weines, welche durch Zusatz von Wasser nicht getrübt wird. Äther nimmt einen Theil davon auf, und giebt eine gelblich rothe Tinctur, welche, verdunstet, auf dem Wasser kein harziges Häutchen bemerken läfst. Erklärung der Kupfertafel. Ein blühender Zweig in natürlicher Gröfse, nach der von Hunter (a. a. O.J gegebenen Abbildung. Fig. 1. Eine Blume, von welcher die Blumenkrone weggenommen und der Kelch fast ringsum gelöst ist, so wie auch 2. die Blumenkrone, etwas vergröfsert. 3 Die Kapsel und 4. ein Gehäuse derselben, von der Fugenseite gesehen, und auch 5. dasselbe quer durchschnitten, in natürlicher Gröfse. 6. Ein Same vergröfsert. ') Man sehe auch, was hierüber bey den drev folgenden Gewächsen, Coccoloba uvifera, Eucalyptus resini- fera und Buten Jrondosa, gesagt ist. Als Synonym wird hierzu aucli noch Uncaria Gambeer Roxburgh’s Plauts of the Coast of Coro- mandel T. JIL, ohne Angabe der Tafel, citirt; aber Roxburgh hat nicht nur die Gattung Uncaria nicht angenommen, sondern hat auch in seinem ganzen Werke von der hier genannten Art weder unter Uncaria noch unter Näuclea eine Abbildung gegeben.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21705112_0005_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)