Ueber Heilgymnastik und Massage : nach einem im ärztl. Verein in Hamburg gehaltenen Vortrage / von H. Nebel.
- Nebel, Hermann, 1853-
- Date:
- 1886
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Credit: Ueber Heilgymnastik und Massage : nach einem im ärztl. Verein in Hamburg gehaltenen Vortrage / von H. Nebel. Source: Wellcome Collection.
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![einen Lähmungsrest, um lähmungsartigen Schwächezustand der Strecker des Armes oder der Hand handelt, mit Beugekontraktur infolge des gestölten Muskelantagonismus, so wird man wenig erreichen mit dehnen- den, passiven Bewegungen allein, man wird nicht zum Ziele kommen mit gewöhnlichen aktiven Bewegungsversiichen, denn jeder kleinsten Streckbewegung wird eine ausgiebigere Beugung folgen, das dynamische Missverhältnis nur vergrössernd; man muss vielmehr seine Zuflucht zvir Widerstandsbewegung nehmen, um die Streckung unter leichtem Wider- stand zu Wege kommen zu lassen, (der mit der Kraftzunahme wachsen muss] und darf die Hand oder den Arm nicht rückwärts dem Zuge der Antagonisten überlassen, sondern drückt das Glied wieder in die Beugehaltung gegen den Widerstand des Patienten, denn nur so er- reicht man Stärkung gerade der Muskelgruppe, die derselben bedarf und lässt dieser allein den Bewegungsimpuls zu Gute kommen. Ausgehend von der Vorstellung nun, dass die kontraktile Ver- kürzung einen Ausschlag gebenden Einfluss auf die Blutströmung im Muskel haben müsse, indem durch Zusammenpressen der Kapillargefässe die Circulation vorübergehend gehemmt würde, glaubten die Heilgym- nastiker noch einen weiteren Zweck mit der duplizirten Bewegung zu erreichen; sie dachten sehr verschiedene, aber ganz spezifische Ein- wirkungen auf die venöse oder arterielle Gefässbahn eines Körper- theiles zu Wege bringen zu können, je nachdem sie dessen Muskel- hälften beide nur konzentrisch oder beide nur exzentrisch zur Kon- traktion brächten. Es knüpften sich hieran die seltsamsten Theorien und Spekulationen, Avovon namentlich in Neumann's »Lehrbuch der Leibesübungen« und «Therapie der chronischen Krankheiten «, die übri- gens hinsichtlich praktisch ausgedachter Bewegungen manches Brauch- bare enthalten, ergötzliche Proben zu finden sind, wie ich Ihnen im Vorhergehenden schon angedeutet habe.^) Es ist übrigens durch eine Reihe von Untersuchungen, die in Lud- wigs Laboratorium in Leipzig von Sadler, Hafiz u. a. vorgenommen 1) Mit Recht sagt Eulenburg: «In der Art der vor uns liegenden Neumann'- schen Darstellung ward em Umfang von Phantasie vorausgesetzt, wie er wenigen Sterbhchen .u Theil geworden. Ich wenigstens vermag es nicht, ihm in seinem Fluge zu folgen wenn er z. B. S. 85 behauptet: «Man kann daher durch diese Stellut (zehhalbsxtzende) Müz oder Leber oder eine Niere in starke venöse Resorption ve^ setzen, je nachdem man den Kranken die links- oder die rechtssitzende St 1 ung 2- nehmen lasst. Wenn Ling und seine unmittelbaren Scliüler solchen Weg einschl'en so verdient dies unsere Nachsicht, Aerzte aber, welche solche unhaltbare Theorien a optiren, und m der vergeblichen Sucht, jede Bewegung nebst ihren zahllosen Va an gleich wie eine bestimmte pharmakodynamische Einwirkung auf innere ra holoX^^^^^^^^ ESrunT' ^^^»^^ vllieren;i7eÄg: Klin. Vortrage, 280. flnnero Medioin 98.J](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20402727_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)