Heinrich Müller's Gesammelte und hinterlassene Schriften zur Anatomie und Physiologie des Auges / Zusammengestellt und herausgegeben von Otto Becker.
- Müller, Heinrich.
- Date:
- 1872
Licence: Public Domain Mark
Credit: Heinrich Müller's Gesammelte und hinterlassene Schriften zur Anatomie und Physiologie des Auges / Zusammengestellt und herausgegeben von Otto Becker. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The University of Glasgow Library. The original may be consulted at The University of Glasgow Library.
430/460
![Man sah die Sklera verdickt, unten ziemlich scharf gegen das grauliche Narbeugewebe {/] abgesetzt. Innen daran die Chorioidea in grosser Aus- dehnung trennbar, an vielen Stellen aber mit einer Knochenschale verbunden, welche bis 3 Mm. dick war (/). Auf die Knochenschale folgte dann eine fibröse Schwarte {k) , von welcher sich Balken und Wülste .gegen die kleine Höhle (/ erhoben. Diese enthielt ein wenig röthlichc Flüssigkeit. Hinter dem Horn- hautrest lag eine Masse von linsenähnlicher Form. Diese bestand aussen aus echter Knochensubstanz (c) , im Innern aus fibröser Masse, die von der Narben- substanz in der Gegend dos unteren Hornhautrandes zapfenartig in das innere des Knochens eindrang [d). Nach unten war also dieser linsenähnliche Körper dicht an die narbigen Hornhautreste angelöthet, nach oben aber war er hinter dem beschriebenen sichelförmigen Ausschnitt der Hornhaut vollkommen von dieser getrennt, und hier war früher die Sonde eingedrungen. Diese gelangte auf jeden Fall bis hinter dem Sklerarand in das Innere des Bulbus. Sie liess sich zwar auch leicht noch weiter schieben, in einen kleinen Raum zwischen Cho- rioidea und Sklera, aussen an der Knochenschale und ebenso einwärts gegen die Höhle des Bulbus, aber da an der fraglichen Stelle, in der Gegend der Ciliarkörper- Reste, eine weiche, pigmentirte, jedoch von Knochenbälkchen durchsetzte Masse lag, so ist dieses Vordringen der Sonde nicht völlig beweisend für die offene Com- munication. Ein Punkt, welcher noch hervorgehoben zu werden verdient, ist die Deutung der linsenförmigen Masse, welche in der Gegend der Krystalllinse lag. Der eine von uns hat wiederholt aufmerksam gemacht ^ wie man theils knöcherne Massen, theils Bälge, welche einer Kapsel mit metamorphosirter Linsensubstanz ähnlich sind, nicht zu voreilig ohne mikroskopische Untersuchung für das Linsensystera halten dürfe, und der vorliegende Fall gibt einen neuen Beleg hierfür. Denn wiewohl in Form und Lage einer Linse sehr ähnlich hatte der fragliche Körper ohne Zweifel nichts mit derselben gemein. Schon die Continuität der fibrösen Masse im Innern mit der Narbensubstauz am untern Hornhautrand würde grosse Schwierigkeit bei der Deutung als Linse machen. Ausserdem aber ist streckenweise eine Continuität der liusenartigen Knochenmasse (welche aus echter Knochensubstanz besteht) mit der intrachorioidealen Knochen- schale nachzuweisen, während an anderen Stellen des Umfangs ein lockeres, bloss mit Knochenbälkchen durchsetztes Gewebe dazwischen liegt. Endlich lässt die Lage der noch vorhandenen Kapselreste kaum einen Zweifel. / Es ist nämlich der linsen- artige Knochen an seiner hinteren Fläche von einer dickeren Schwarte über- zogen, welche mit der an der- grossen Knochenschale befindlichen zusammenhängt und übereinstimmt. An der vorderen Fläche dagegen ist eine dünne Bekleidung vorhanden, welche Fetzen von Glashäuten enthält. Es ist zwar an denselben nicht mehr viel zu eruiren, aber da hier dickere und dünnere Stücke, welche der vorderen und hinteren Hälfte der Kapsel entsprechen, beisammen liegen, so wird die Linse verloren gegangen sein, und der linsenartige Knochen ist als eine Neubildung in der Gegend des Septum anzusehen, welches in der Ebene des Ciliarkörpers (tellerförmige Grube) liegt. Die Bildung ist eine Fortsetzung der an der Innenfläche der Chorioidea atrophirender Augen 'so häufig vorkommenden Verknöcherung. Was die übrigen Verhältnisse betrifft, so zeigten sie keine Abweichung von dem gewöhnlichen Befund ähnlicher Augen. Die Retinaireste gingen durch eine Lücke der Knochenschale in das Innere und Hessen sich zum Theil bis an die Hinterfläche des linsenartigen Körpers verfolgen. Die Schwarten im Innern der Knochenschale, mit denen die Retinaireste verschmolzen waren, enthielten u. A. die von A. Pagm- stecher beschriebenen Platten mit grossen und mehrfachen Kernen. Die Chorioideal-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21469246_0430.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)