Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie.
- Kaufmann, Eduard, 1860-1931.
- Date:
- 1911
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Credit: Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie. Source: Wellcome Collection.
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![Arten der Atrophie. a) Senile und marantische Atrophie. Dieselbe kann am gesamten Skelett, imd zwar an verschiedeneii Stellen in verschiedenem Maße auftreten und zu einer äußeren und inneren x\trophie der Knochen führen. Die Kölu-enknochen und vor allem die spongiösen AVirbelkörper werden dadurch abnorm porös und brüchig, eindrückbar; sie sägen sich wie morsches Holz. In besonders hohem Grade werden die Gesichts- und Schädelknochen betroffen. Die platten Knochen am Schädel, Schulterblatt, an den Hüftbeinen pflegen besonders stark ver- dünnt zu sein. Zumeist werden an den platten Knochen diejenigen Stellen atro])hisch, die muskelarm oder wenigstens von derben Sehneniusertionen frei sind (Virchow). Der Scliädel wird Ijesonders an seinem Dacli melir und mehr verdünnt, rauh, feinporig, mit tiefen Gefäßfnrclien bedeelit, die Emissarien werden erweitert; die Diploe scheint anfangs dunkelblamot durcli; später, mit zuneliniender Verdünnung und Schinmd der Tahtila externa, wild sie bloßgelegt (rauli imd rot) und dann mitunter sogar bis zur Tabula vitrea zum Schwund gebracht. Es legt sich jedoch auch neue Knochensubstanz an die eröffneten Markräume an, so daß eine Verdichtung und Glätte der restierenden Teile eintritt. (Ari der Innenfläche des Stirn- beins kann zugleich Knochenneulüdunci in Form stachliger, rauher, harter Verdickungen mitunter in größerer Ausdehnung auftreten.) Der Schädel zeigt beiderseits iiher den Scheitelbeinen lange, tiefe Gruben, kann hier sowie an der Hinterhauptsschuppe bis zur Durchsichtigkeit pergament- artig verdünnt und selbst stellenweise total dvrchlöchert werden, so daß Galea aponeurotica und T>ura sich direkt berühren. — Sehr t^-pisch ist auch die Atropliie der zahnlosen Ober- und Unferkiderkiioehen. — Die Rölirenkiiochen und die platten Knodieii des Brustkorbes und IJeokons werden durch äußere und innere Atrophie verändert, werden kleiner und leichter; (He Atropliie pflegt an den Gelenkenden besonders stark zu sein. Am aufgesägten Schenkelhals wird die Architektur oft l^esonders übersichtlich, indem gerade diejenigen t3irischen Balken- systeme länger erhalten bleiben, welche als die auf die wichtigsten mechanischen Anforderungen berechneten Trajektorien anzusehen sind. In seltenen Fällen sind alle platten Knochen von zahllosen Löchern durchbrochen und sehen ganz ^\1u■mstichig aus. Die AVirbelkörper werden manchmal nur poröser, in anderen Phallen aber gleichmäßig kleiner, so daß die Wirbelsäule um mehrere Centimeter verkür-zt wii-d. Erfolgt che Atrophie vngleichmäßig. so resultieren Defor- mitäten der Wirbelsävle (senile Ki/phose, Skoliose). Der Ko7isistenz nach sind die senilen Knochen a) solche, die abnorm brüchig, spröde sind, bei denen also senile Osteoporose und dadurch bedingte Osteopsathiirosis. Brüchigkeit des gut verkalkten Knochengewebes, vorliegt, ß) solche, bei welchen die eigentliche Festigkeit des Knochengewebes leidet, wodurch der Knochen abnorm weich und schneidbar wird, und wo der als senile Osteovialacie bezeichnete, durch osteoide Säume und Fehlen von Lakunen gekennzeichnete Zustand besteht. (Vgl. die erste Anmerkung S. 666.) Das Knoehemnark ist bei der senilen Atrophie häufig Fettmark oder auch Gallertmark, in einigen kurzen und platten Knochen Ijehält es den Charakter von rotem Mark (s. S. 179). Die marantische Atrophie kann auch bei jüngeren Individuen vorkommen die infolge chronischer Leiden ün Marasmus verfielen. Es kann dabei das Bild schwerster allgemeiner Osteoporose oder Osteomalacie entstehen. b) Inaktivitätsatrophie. Diese einfnche. quantitative Atrophie tritt am auffallendsten an den langen Röhrenknochen auf, wenn die Gebrauchsfähig- keit einer Extremität während der Wachstumsperiode verloren gegangen ist. Die Knochen werden dünn und kurz. Es kann sich dabei mn Lähmung handeln,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21018170_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)