Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie.
- Kaufmann, Eduard, 1860-1931.
- Date:
- 1911
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Credit: Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie. Source: Wellcome Collection.
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![zwischen die lüiochenlameUen ein, welche glatte Ränder behalten, alier mehr und mehr frag- mentiert werden, bis schließlich ein ganz femer, polymorpher Knocliensand entstellt, der dann völlig resorbiert wird. b) Bildung perforierender Kanäle (KanaUlmkiHon). Die zweite Ai't von EJiochenresorption, der wir teilweise wenigstens gleichfalls unter physiologischen Verhältnissen begegnen, ist der mittels perforierender Kanüle, Resorplions- IcanäJe, so?. Yolkmannsclier Kanäle, bedingte organische Knocheiischwund. Unter physio- logischen Verhältnissen liandelt es sich um Kanäle, welche in sehr wechselnder Zahl in den Grundlamellen (Generallamellen) vorkommen imd Gefäße (perforierende Gefäße) enthalten, die mit den Gefäßen der Haversschen Kanäle vielfach zusammenhängen und aUmäldich in diese übergehen; sie sind nicht wie die Haversschen Kanäle von ringförmig angeordneten Lamellen umgeben und meist auch feiner wie diese. — Unter pathologischen Verhältnissen mrd der Begriff der perforierenden Kanäle weiter gefaßt. Man spricht einmal von Volkmannschen Kanälen, wenn sich Gefäße unter Bildung von Sprossen (Pommer) oder gefäßhaltigcs, eventuell auch Osteoblasten führendes Bindegewehe von einem Markraum der Substantia spongiosa oder von einem Haversschen Kanal der Substantia compacta *) aus, die Laraellen diuxhcjuerend zu emem anderen Markraum oder Haversschen Kanal durch die harte Knochensubstanz durch- bohren, diese kanalisieren, wobei natürlich auch gelegentlich einmal ein oder das andere Kjiochenkörperchen mit eröffnet wii'd. Unter den Begriff der Volkmannschen Kanäle fallen aber ferner auch unregelmäßige, aiupuUenartige Erueitenmgen von Knochenlörperchen resp. -höhlen (vgl. Abliildung bei Osteomalacie S. 670) imd durch Konfliiem solcher verzerrter Knochen- härperchen entstehende Lücken oder unregebnäßige zackige, die Knochensubstanz durchsetzende JCanäle, welche, wenn sie sich in emera Markraura eröffnet haben, sogar von Zellen ausgefüllt werden können (S. 670 Bild Ile); diese Kanäle können in der Folge von Osteoklasten noch mehr erweitert oder aber von Osteoblasten mit konzentrisch aufgelagerten Lamellen so be- deckt werden, daß sie Haversschen Räumen ähnlich werden. {Axhausen [Lit.] erklärt jüngst aUe Volkmannschen Kanäle für präexistierende, durch Knochenanlagerung eingeschlossene Gefäßbahnen und erkennt nur die lakunäre Arrosion als einzige Art des Abbaues an.) c) Knochenschwund nach vorhergehender Kalkberaubung, halisterischer Knochenschwund. (Bildung von Gitterfiguren bei der Haiisteresis.) Unter viel selteneren Verliältnissen, namentlich bei der senilen und bei der marantischen Osteomalacie, sowie bei der vornehmlich bei Frauen auftretenden sog. puerperalen und nicht puerperalen, reinen Osteomalacie erfolgt der Knochensclnvund so, daß zunäclist eine Kalh- leraubung (Halisteresis) des Knochens stattfindet; die danacli übrig bleibende Knochengrund- substanz (Knochenknorpel) wird dann weiterliin aufgelöst, wobei sie vorübergehend faserig aussehen kann. Die definitive Zerstörung und Resorption des entkalkten, in Fibrillen zer- fallenden Knochens findet in der Regel ohne Osteoklasten statt. Die entkalkten Randzonen der Knochenbälkchen treten bei einfacher Färbung mit Karmin oder bei Doppelfärbung mit Häraatoxyün und neutralem Karmm (es genügt als Gegenfärbung auch Eosin) als rote Säume (sog. osleomalaiische Säume) hervor; die kalklialtige Knochonsubstanz färbt sich blau. Es muß, um Irrtümer zu verhüten, betont werden, daß sich auch neugebildetes osteoides Gewehe (noch nicht kalkhaltiger Kiiochen) mit Karmin oder Eosin rot färbt. — Beim Kapitel Osteomalacie wird Gelegenheit sein, auf die Unterscheidung von entkaJktem alten und kalk- losem neuen Knoclien noch einzugehen (s. S. 671). *) Das Knochengewebe tritt bekanntlich in 2 Formen auf: a) als Substantia spongiosa, die nur aus einem mit Mark gefüllten Masclienwerk von Knoclienbälkclien und -plättchen besteht; b) als Substantia compacta, deren dichtes Gefüge von Haversschen, die Blutgefäße enthaltenden Kanälen durchsetzt wird, welche sowohl an der äußeren wie an der inneren, gegen die Spongiosa gerichteten Fläclie, frei ausmünden. 4-2*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21018170_0011.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)