Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner.
- Baer, Karl Ernst von, 1792-1876.
- Date:
- 1861
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Credit: Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner. Source: Wellcome Collection.
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![(lern Tniüke ergeben oder iiielit sonst einer Lel)ensänderimo-, nelclie sie noch nn- frnclitbnrer maelit, als sie ohnehin in ihrer Wihlniss sein sollen. Auch sa»t man, dass die Europäer sich zu Concnbinen ganz jnnge Mädchen Avählen, die noch gar niclit conci])iren können und Vielleicht durch zn frühe Befriedigung des Geschlechts- triebes an Zengnngsfähigkeit einbüssen. Andere meinen, diese Weiber trieben die Frucht ab oder die Xengeborejien AA Ürden getödtet. So viel ist gewiss, dass, wenn die Verschiedenheit der Stämme Unfruchtbarkeit erzeugen sollte, die NaeliAveise da- von manni(‘lifaltiger sich finden lassen müssten.“ ,,l)ass das britische Blut nach einer anderen Richtung hin ganz geeignet ist, Bastarde zu erzeugen, habe ich durch eigenthümliche Zufälligkeiten erfahren. Die nordamerikanische Regierung liat in den letzten Decennien viele Avissenschaftliche Unternehmungen veranlasst oder unterstützt, welche den ZAveck hatten, zuverlässige und vollständige Nachrichten über die Indianerstämme, nach ihrer Zahl, ilirem Wohn- gebiet, LebensAveise und sittlichen Zuständen, Traditionen, Bilderschrift n. s. av. zn sammeln. Zn solchen Unternehmungen gehört nun auch, dass sie eine Menge ]*ho- tographien von einzelnen Gliedern vieler Stämme von Rothbänten anfertigen liess, um vor dem Verlöschen derselben noch ihre Gestalten für die Kenntniss künftiger Zeiten zu beAvahren. Es sind meistens Häuptlinge, Avelche man photographirt hatte, A'ielleicht nur, Aveil es bei Nomaden- und Jägervölkern gewöhnlich die Häu})tlinge sind, die den Fremden aufnehmen, also in diesem Falle auch die Photographen. Erst später zog man ganz genaue Erkundigungen über die Reinheit des Blutes d. h. über die specielle Genealogie dei’ photographirten Individuen ein und da fand sich, dass nur ein sehr kleiner Theii derselben von indianischem Vollblute waren. Herr Baron Sacken, IMitglied der russischen Gesandtschaft in Amerika, hatte die Güte, mir Ab- drücke dieser Photographien zu schicken mit der Abschrift der specielleu Genealo- gieen. Ich habe sie nicht mit und habe mir die Resultate nicht vor der Reise niederges(*hrieben, doch glaube ich nicht zu irren, Avenn ich sage, dass nur der zehnte Theii etAAa (3 unter 30) nicht gemischten Urs})rungs Avaren. Die anderen hatten zu ‘/>, % oder ‘/s europäisches Blut. Da nur einzelne Anglo-Amerikaner durch die Gebiete der Pelzhäute zielien, so zeugt diese Erfahrung von der Fruchtbarkeit der Vermischungen, zugleich aber auch wohl von der geistigen Ueberlegenheit der Misch- linge, denn die Häu])tlingsschaft Avird unter den Rothhäuten nicht ererbt, sondeni durch Ueberlegenheit eiworbcn. Geistig und moralisch verkommen kann man diese Mischlinge also nicht nennen. Aber, man bemerke Avohl, sie blieben im Lande ihrer Mütter, Avo keine Missachtung sie traf, avo sie höheren Luxus nicht kennen lernten. Oft haben sie Avohl ihre Väter nie gesehen. Die mulattischen Mischlinge Avachsen auf im Angesicht des grossen Luxus, aber in der Verachtung und dem Abscheu der. höheren Schichten der Gesellscliaft. Unter solchen Verliältiiissen kann man nicht gedeilnm.“](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2239249x_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)