Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner.
- Baer, Karl Ernst von, 1792-1876.
- Date:
- 1861
Licence: Public Domain Mark
Credit: Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
21/92 (page 19)
![richten iiiitgetlieilt hat, nur von zwei Bastarden hörte. Das scheint allerding’s für die sehr g-ering-e Frucldharkeit einer Verniisehung zweier ganz verseliiedener Stämme oder Rassen, wie man sich gewöhnlich ansdriickt, zu sprecheii. Allein es ist nicht überall so. Der amerikanische Anthropologe Nott, der längere Zeit in Süd-Carolina gelebt und die dortige nmlattisehe Bevölkerung als schwächlich, wenig fmchthar unter sich, und den beiden Stammrassen (Negern und Europäern) überhaupt nachstehend heschrie- hen hatte, war erstaunt, als er in Mobile (in Alabama) sich niederliess, die dortigen Mulatten gesund, kräftig und fruchthar zu finden. Nun besteht die europäische Be- völkerung in Süd-Carolina und überhaupt in den atlantischen Staaten des Bundes grösstentheils aus Engländern, überhaupt aus germanischen und gallischen Stämmen, die euro])äische Bevölkerung der Staaten am mexikanischen IMeerhusen ist al)cr vor- herrschend aus Frankreich und Spanien gekommen. Hen* Nott schloss daraus, dass die brünetteren Völker, wie Franzosen und Spanier, weniger von den Negern ab- stehen, als die Engländer und Deutschen und deswegen eine kräftigere und fruclit- harere Nachkommenschaft mit ihnen erzeugen. In den Discussionen innerhalb der So- ciete (l’Anlhropologie wurden eine Menge Erfahrungen angeführt, die auf den ersten An- blick diese Ansichten zu bestätigen scheinen, aber doch wohl auf einem anderen Grunde l)eruhen mögen. Auf Jamaica sollen die Bastarde von Engländern und Ne- gerinnen zwar gesund und gut gebaut sein, unter sieh verheirathet aber gewöhnlich unfruchtbar bleiben. Auf Martinique gedeihen dagegen die Bastarde von Frajizosen und Negerinnen vortrefflich; man rechnet jetzt dort 8ü00 Weisse, 20,000 Mulatten und 92,000 Neger. Dasselbe gilt von der Mulatten-Bevölkerung’ aus Spaniern und Negerinnen in St. Domingo. Die Bastarde der Franzosen und Negerinnen am Sene- gal, die in gleicher Achtung mit den Franzosen reinen Blutes stehen, prosperiren ganz besonders und dasselbe gilt von den Nachkommen der Portugiesen in Congo, Loanda, die sieh als Portugiesen fühlen und so nennen, obgleich sie von schwarzen Müttern stammen und deswegen, da sie theils unter sich, theils mit Negerinnen sich fortpüanzen, lange die Sage unterhaltcm haben, dass die Europäer unter den Tropen , schwarz werden. Französische, spanische und portugiesische Bastarde mit Negerinnen scheinen also zu gedeihen, englische aber nicht. Ein allgemeines Gesetz der Un- fruchtbarkeit von Bastarden verschiedener Stämme darf' man also jedenfalls von die- sen Beobachtungen nicht ableiten. Die Holländer und Hottentotten stehen doch ge- wiss auch weit von einander ab, doch ist in Süd-Afrika in den Griquas ein ganzes Volk aus den Bastarden der Holländer mit Hottentottinnen und Buschmän- ninnen erwachsen. In den spanischen Besitzungen des Festlandes von Amerika sind die Nachkommen von Spaniern mit eingeborenen Weibern sehr zahlreich und sie ver- mehren sich stark. Die von Martius beschriebenen Cafusos in den Wäldern Brasi- liens sind Mischlinge von Nege^’n und amerikanischen Eingeborenen und erhalten sich unter sich, zeigen also auch die Fruchtbarkeit der Mischlinge aus diesen Stämmen. 3*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2239249x_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)