Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner.
- Baer, Karl Ernst von, 1792-1876.
- Date:
- 1861
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Credit: Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner. Source: Wellcome Collection.
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![Kopf im Aug-e haben, oder den ganzen Körper, niu’ an Lebenden operiren müssen. Deshalb wäre es sehr zu wünschen, dass man sich über eine bestimmte Methode der Messung einigte, so dass diese, allgemein verständbcb beschrieben, vielen Reisenden mitgegeben werden könnte.“ ,,Messungen dieser Art an Mischlingen von verschiedenen Stämmen könnten uns vielleicht auch lehren, welches Geschlecht grösseren Einfluss auf die Besonderheit der Erzeugten habe und welche Regeln die Gestaltung der Mittelformeii bestimmen.“ ,,Zu viel Arbeit für kleine und doch wohl nicht sichere Resultate — ruft man vielleicht aus. Es wäre möglich — das muss zug’egeben werden —, dass gar kein nen- nenswerthes Resultat erzielt würde; dennoch müsste man auf wissenschaftlichem d. h. methodischem Wege Fragen beantworten, die ein zu allgemeines Interesse haben, um nicht oft aufzutanchen und eben weil sie oft auftauchen und grosses Interesse haben, beantwortet werden, wenn nicht nach ernsten und vielseitigen Forschungen, so nach einzelnen zufälligen Bemerkungen oder nach blossen Präsumtionen. Ueberhaupt wird es in einem Kreise solcher wissenschaftlicher Männer wie Sie, meine Herren, nicht paradox klingen, wenn ich bemerke, dass es ein grosses Vorurtheil des allgemeinen Publikums ist, die Wissensehaft habe mir immer aufzubanen; sie hat oft vielmehr ein- zureissen, als sie an die Stelle setzen kann und von der vergleichenden Anthropo- logie gilt dies ganz besonders, weil man in ihr sich vielfach versucht, ohne über einen hinlänglichen Vorrath von Beobachtungen verfügen zu können und ohne lange Arbeit zu verwenden. Dasselbe gilt freilieh mehr oder weniger von allen Wissen- * schäften, die ein allgemeines Interesse haben. — Jedes aus der Roheit heraustretende Volk hat seine Kosmogenie gebildet. Unsre gelehrtesten Geologen aber, die die Früchte langer Arbeit verwenden können, haben zwar über die äusseren Erdsehich- ten einen reichen Schatz von Kenntnissen gesammelt, über den Anfang des Erdkör- pers oder gar der Welt sagen sie uns jedoch fast nichts. Es ist viel mehr Arbeit darauf verwendet ivorden, die Meinung, die Eingeweidewünner erzeugten sich ohne Forti>flanzung, zu bekämpfen, als es gekostet hatte, sie in Gang zu bringen. Selbst der besclu’eibende Botaniker und Zoologe, obgleich mit Objecten beschäftigt, die nicht so unmittelbar das Interesse Vieler erregen, werden zugeben, dass die Kiitik des früher Gesagten ihnen viel mehr Arbeit kostet, als die Beschreibung der Formen, die sie für noch nicht hinlänglich charakterisü’t halten. Älan beschreibt jetzt nicht so schnell hintereinander weg, wie Linke es in Holland konnte, weil im Laufe von wenig mehr als einem Jahrhundert so Vieles schon beschrieben ist, theils genügend, aber mehr noch ungenügend und davon Vieles, blos um ein mihi (d. h. von mir be- nannt) hinter einen neuen Namen zu setzen. -- Ganze wissensehaftliidi scheinende Gebäude, welche dem menschlichen Egoismus entsprossen waren, wie Alchymie und Astrologie, mussten eingerissen werden, weil sie die wissenschaftliche Kritik nicdit bestanden. Wenn eine Frage im ]\Ienschen auftaucht, so wird es ihm um so schwerer.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2239249x_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)