Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner.
- Baer, Karl Ernst von, 1792-1876.
- Date:
- 1861
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Credit: Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner. Source: Wellcome Collection.
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![möchte. Wenn Messnng’en oder plastische Darstellung-en dieser Art an mehreren Or- ten zahlreich angestellt werden, so lässt sich voraiissehen, dass sie auch ausser der Leitung bei Bestimmung von Gräberfunden noch anderweitige Belelu*ung geben. Bekanntlich giebt es noch Naturforscher, welche an vorheiTschende Typen im Bau der verschiedenen Völker nicht glauben mögen, da sehr bedeutende Ahweichungen sich einzeln in ihrer Umgegend finden. Indessen, Aver sich mit den verschiedenen Typen enistlicher beschäftigt hat, Avii’d nicht im ZAveifel bleiben, dass bei Völkern, Avelche lange Zeit isolirt lebten und in deren Lebensverhältnissen keine sehr Avesent- liche Veränderung eingetreten ist, der Grundty])us Avenig schwankt. Ich habe keinen Kopf eines Neuholländers und auch keine Abbildung eines solchen gesehen, an dem der Scheitel nicht hoch dachförmig AAäre. Fast eben so dachfönnig, obgleich sonst verschieden sind die der Eskimos. Dagegen Avird man einen unvermischten Lappen schwerlich mit hoch dachförmigem Scheitel oder auch entschieden dolichocephal fin- den*; eben so Avenig findet sich jener dachförmige Scheitel hei Germanen, Slaven u. s. Av., entschiedene Missbildungen, Avie M i k r o c e p h a 1 i e und S c a p li o c e p h a 1 i e natürlich ausgenommen. Dagegen sieht man allerdings hei Völkern, deren starke Mischung in historischer Zeit unbezweifelt ist, viel stärkere SchAAankungen. Die Schädel aus Frankreich, Avelche in der hiesigen (Göttinger) Sammlung sich finden, scheinen mir drei Typen zu offenbaren. Wenn man in Frankreich untersucht, in welchen Gegenden diese Formen A'orheiTschend sind, Avird man sie Aielleicht auf die Völker zurUckfÜhren können, Avelche Caesar in Gallien vorfand, und aus denen in Verbindung mit den ein wandernden Römern und Germanen das französische Volk er- AA’achsen ist. Herr Edaa^auds und Herr Broca haben schon sehr umfangreiche Studien dieser xlbstammung geAAudmet und die Unterschiede in Körpergrösse und HaarfäiFung in den* A^erschiedenen Gegenden Frankreichs studirt; es scheint aber nicht, dass eine Verschiedenheit der Kopfhildung von ihnen iiachgeAAuesen AAäre. Sollte es nur zu- fällig sein, dass hier di-ei A^erschiedene Formen sich finden, von denen die eine frei- lich der germanischen gleich kommt und aus dem Eisass stammen könnte? Sie sind vom französischen Iiwasionsheere. Durch solche zahlreiche Vergleiche allein könnte in Zahlen nachgeAviesen werden, invAleweit in einem gemischten Volke die ursprüng- lichen Formen, aus denen es erwachsen ist, lange diu’chzudringen streben, indem bei einem solchen Volke, Avie es scheint, die SchAA^ankungen viel stärker sind, als bei unge- mischten. So zahlreiche Vergleiche, mögen sie nun in Messungen oder in anderen Metho- den bestehen, AA^rden aber vorzüglich an Lebenden sich ausführen lassen. Bei entfernten Völkern, die von Europäern nur zuweilen besucht Averden, Avird man überhaupt, Avenn man mittlere Formen auf Egend eine Weise fixmen aaüII, mag man nun allein den ♦ Eine schwache kantenförmige Erhöhung des Scheitels in der Aledianebene ist au den Schädeln der Lappen gar nicht selten sichtbar, allein von dieser Alittelkante verläuft der Scheitel sehr flach nach beiden Seiten. B.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2239249x_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)