Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner.
- Baer, Karl Ernst von, 1792-1876.
- Date:
- 1861
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Credit: Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner. Source: Wellcome Collection.
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![Deiitselilamls zu beschreiben und diu’cli Zeieliiiuiig-en zu erläutern, welche von den von Nilsson abgebildeten Köpfen verschieden ist nnd die ich mehrfach gesehen habe, zuletzt an dem Kopfe eines fast vollständigen weiblichen Skelettes, bei dem noch die bronzenen Arm-, Bein- und Halsringe an den gehörigen Stellen liegen. Diese Form ist es, die mit der der Hindus auftallende Aehnhchkeit hat. Ich glaube ferner aus Knochenresten es Avahrscheinlich machen zu können, dass die Kimmerier Herodot’s in der That mit den Kimri und vielleicht mit den Cimbern identisch sind. Aber es bleiben noch die grössten Fragen zu lösen oder vielmehr diese Studien haben erst begonnen. In Dänemark hat man auf der Insel Langeland sehr langgezogene und schmale Köpfe gefunden, die unter sich ziemlich ähnlich sind, aber von der Form der Hindus merklich ab weichen nnd der Steinperiode anzugehören scheinen. Wo ist der Stammsitz dieser Menschen anzunehmen, da in der Steinpeiiode die brachyceijhale Form vorzuheiTschen scheint? Noch abweichendere Formen sind einzeln beschrieben, namentlich von Hemi Prof. Schaaffhausen in Bonn und Prof. Busk in London. Solche Einzelheiten erwarten noch neue Fundorte, um mit einiger Wahrscheinlichkeit in die Geschichte eingetragen werden zu kömien. Aber es ist zu wünschen, dass bei jedem Gräberfunde die vergleichende Anthropologie zu Rathe gezogen werde nnd dass sie Auskunft geben könne. Wird sie auch nicht leicht mit Bestimmtheit sagen können, zu \^'elchem Volke das aufgefundene Skelett gehöre, so Avird sie doch, das lässt sich mit Zuversicht erwarten, oft erklären können: zu diesem oder jenem Volke gehören die gefundenen Reste nicht. Das ist schon viel, Avenn man bedenkt, dass man in Deutschland vor Kurzem noch Amu jedem alten Grabe, wenn kein Grund da Avar, es für ein römisches oder slavisches zu halten, glaubte, es müsse ein alt-germani- sches sein.“ ,,Um in dieser Bestimmung der Gräberfunde Fortschritte zu machen, scheint es aber wünschensAverth, dass man von den jetzt lebenden Völkern und ihren Hauptver- zweigungen durch Vergleichung Adder Individuen die Mittelformen und das Verhält- niss ihrer Abweichungen zu bestimmen suche, sei es durch Maasse oder bildliche Dar- stellung. Ich hatte mh’ vorgenommen, die Ausführnng dieser Aufgabe, die, Avenii mich mein Gedächtniss nicht täuscht, auch die des Herrn von Launitz ist, zu em- pfehlen. Bei meiner Ankunft hieselbst erfuhr ich vor zAvei Tagen zu meiner freu- digen UebeiTaschnng, dass Herr Prof. Ecker schon mit dieser Aufgabe in Bezug auf seine Umgebung, also den alemannischen Stamm beschäftigt ist. Das Beispiel Avirkt und man daif hoffen, dass dann Avohl Andere einen norddeutschen Stamm, etAva den sächsischen, avo er am Avenigsten gemischt scheint, vergleichen Averden. Der Unter- schied dürfte namentlich im Bau des Ko])fes grösser ausfallen, als man erwarten * Diesen Köpfen iilinlich ist ein Gypsabgnss eines von Schmeulixg (N. 2. b. Enger) gefundenen Kopfes, den wir soeben durcli Güte des Herrn Dr. Si’RINg erhalten. I](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2239249x_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)