Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner.
- Baer, Karl Ernst von, 1792-1876.
- Date:
- 1861
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Credit: Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen im September 1861 in Göttingen zum Zwecke gemeinsamer Besprechungen / erstattet von Karl Ernst von Baer und Rudolph Wagner. Source: Wellcome Collection.
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![sfliäftigen, 'svird man l)eäng-.stig-t durch das Gefühl, dass nirg-eiids fester Boden sich zeig't. p]s ist nahrlicli niclit nöthig-, eine solche Bemerkung' ausführlich zu erweisen. Der Umstand allein, dass die Zahl der Hauptstämme so verschieden ang’enommen Avird, von 3 bis 16 und mehr, zeigt die grosse Unsicherheit der Principien. Hier könnte man allerdings noch die Einwendung geltend machen, dass jedem P^'orscher das Recht zustehen müsse, auch kleine Unterschiede für wesentlich zu nehmen. Aber weit autfallender und entscheidender, wie es scheint, ist die Divergenz der Meinungen, Avie diese Verschiedenheiten geworden sind, und Avie sie sich erhalten. Sie sind die Wirkungen äusserer Einflüsse, behaupten die Einen; die Andren sagen: sie sind ur- sprünglich und erhalten sich unveränderlich durch die P^ortptlanzung, wenn diese nicht Mischungen hervorbringt, ja in den Mischungen selbst sind nicht volle Mittelformen, sondern es drängen sich in einer langen Reihe von Generationen die Grund-Typen mehr oder Aveniger hervor. So entgegengesetzte Ansichten könnten doch nicht neben einander bestehen, wenn eine von ihnen sicher begründet werden könnte oder auch die gemeinsame Wirksamkeit beider Verhältnisse erwiesen wäre. Aber Avas AAÜssen Avir von der P^iuAATi'kung der äusseren Verhältnisse? Nichts weiter, als dass starke Sonnenhitze die Haut bräunt. Will man aber diese Erfahrung bis auf die ScliAvärze der Neger ausdehnen, so lassen sich ernste Bedenken erheben, da in Amerika so Avenige Völker sind, Avelche man schwärzlich nennen kann und diese so sehr Aveit aus- (dnanderliegen. Es ist die starke Beschattung durch Bäume in Amerika, sagt zAA'ar der eben so scharfsinnige als kenntnissreiche Prichard, und es scheint diese Aeus- serung nicht unbegründet. Allein in Afrika selbst sind, nach neueren Angaben, ein- zelne Völker mit Avenig gefärbter Plaut und nicht schAvarzem Haarwuchs, in nicht stark bevA'ac'hsenen Gegenden, und im grossen Oceane linden Avir die Hautfarbe auf den SandAvich-Inselii und in Neuseeland dunkler als auf Pnseln, die dem Aequator weit näher liegen. Doch ist die variable Haut- und Haarfärbung die einzige Differenz, die Avir von den äusseren Phnflüssen abzuleiten Avüssten. Was Avissen Avir aber über den Grund der verschiedenen Kopfl)ildung, der Körpergrösse, der hMrin des IPaares? Lassen avE uns durch diese Unkunde zu der Ansicht bestimmen, dass alle Verschie- denheiten urspi'ünglich sind, also eben so Avenig erklärt Averden können, als die ur- sju’üngliche Verschiedenheit der Thierarten, so treten uns geAvichtige Stimmen ent- gegen, Avelche behaiqüeii, aus vielseitiger Beobachtung erkannt zu haben, dass Menschenstämme, in andere Gegenden und mithin in andere Verhältnisse versetzt, in der äusseren Gestaltung sich kenntlich verändert haben. Ist eine merkliche Verän- derung in den Negern und sogar den Phigläiidern*, Avelche nach Nordamerika über- * Siehe Bulletin de la sucie'te d'anthi'opolugie de Paris. Vol. 1, p. 192. Mau hat in der Sitzung dieser Gesell- :*eh:ift der vorgebrachten Beliauptuug widersproclien, dass ein körperlicher Unterschied zwischen den Briten in Grussbritannien und Amerika sich erkennen lasse. Aber man wird kaum leugnen können, dass die Nordamerikaner](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2239249x_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)