Die Entdeckung des Similesatzes durch Hahnemann / von Rudolf Tischner.
- Tischner, Rudolf, 1879-
- Date:
- [1932?]
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Credit: Die Entdeckung des Similesatzes durch Hahnemann / von Rudolf Tischner. Source: Wellcome Collection.
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![Menge Queksilber, wenn sie nur ein gehörig starkes Mercurialfieber er¬ regt, den höchsten Grad der eingewurzelsten Lustseuche heben kann^L (S. 188.) Aus diesen sehr beachtenswerten Bemerkungen ersieht man, daß er schon damals stark „biologische^, wie wir heute sagen würden, eingestellt ist und sowohl die flachen Ansichten einer latrochemie als auch die An¬ sichten der Humoraltherapie ablehnt. Schon hier sehen wir ihn auch den Grundsatz bekämpfen: „Viel hilft viekM Seine eigene Meinung ist vielmehr die, „daß eine vorgängige Gegen¬ wirkung der Kräfte der ganzen körperlichen Natur (das Mercurialfieber) dazu gehöre, entweder die Richtung der Wirkung des in unseren Säften aufgelösten Queksilbers zum Angriffe dieses Giftes [des luetischen] zu leiten, oder durch den spezifischen im ganzen Empfindungssystem erregten Reiz den venerischen Reiz auszulöschen‘L « Wir sehen Hahnemann also hier die Ansicht vertreten, daß die Heil¬ mittel Gegenwirkungen des Körpers veranlassen, und diese Wirkungen und Gegenwirkungen bezeichnet er entsprechend ihrer Eigenart beim Queck¬ silber — und, wie wir bald sehen werden, auch noch bei anderen Mitteln — als „EiebeE^ eine Bezeichnung, gegen die, wenn man im wesentlichen die subjektiven Empfindungen berücksichtigt und von der meist fehlenden Tem¬ peratursteigerung absieht, auch nichts einzuwenden ist^. Es zeigt den ausgezeichneten, selbständigen Beobachter, daß er dies Fieber sehr früh entdeckt hat; denn schon in seinem Buche „Alte Schäden^ (1784, S. 14) schreibt er über die Anwendung von Sublimat: „Hals¬ geschwülste aber nebst entkräftende Fieberzufälle waren, so verdünnt auch die Auflösung war, die einzigen Folgen dieser heroischen Kur.“ Für uns ist es ziemlich gleichgültig,, daß man später die Wichtigkeit des Merkurialfiebers nicht bestätigen konnte, hier kommt es nur darauf an, daß Hahnemann schon in dem „Unterricht für Wundärzte“ dem Fieber einen Heilwert zuerkannte. Die nächste Quelle, die uns Einsicht in die Entwicklung seiner Gedanken gibt, sind die Anmerkungen zu seiner Übersetzung von Cullens „Abhand¬ lung über die Materia medika“ (2 Bde., Leipzig 1790). Cullen macht die Bemerkung: „Daß die Rinde in diesem Falle mittelst ihrer auf den Magen ausgeübten stärkenden Kraft wirke, habe ich in meinen ersten Grundlinien der ausübenden Arzneikunde zu erklären mich IQ. A. Richter bemerkt in seiner „Ausführlichen Arzneimittellehre“ (Berlin 1830, Bd. V, S. 320), daß Hahnemann diesen fiebrigen Zustand bei Anwendung von Quecksilber als erster beschrieben hat.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30629366_0005.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)