Parasitologische Untersuchungen bezüglich auf die pflanzlichen Organismen bei Masern, Hungertyphus, Darmtyphus, Blattern, Kuhpocken, Schafpocken, Cholera nostras, etc. / von Ernst Hallier.
- Date:
- 1868
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Credit: Parasitologische Untersuchungen bezüglich auf die pflanzlichen Organismen bei Masern, Hungertyphus, Darmtyphus, Blattern, Kuhpocken, Schafpocken, Cholera nostras, etc. / von Ernst Hallier. Source: Wellcome Collection.
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![Diejenigen Herren, welche Präparate von meinen Reisculturen und von den Culturen mit dem Reispilz erhalten haben, werden erstaunen über die Aehnlichkeit der Pinsel, welche ich z. B. im Archiv a. a. O. Fig. U abgebildet habe mit den unvollkommeneren Pinseln, wie sie aus der Uroctjstis oryzae durch Keimung hervorgehen. Die Aehnlichkeit der äusseren Form ist so gross, dass ich nicht für nöthig halte, nach Verthei- lung einer so grossen Anzahl von Präparaten der Reisculturen noch neue Abbildungen mitzutheilen. Die pflanzliche Natur der kleinen Körper in den Choleradejectio- nen ist also nach allen Seiten hin begründet und beleuchtet. Es ist nur noch nöthig, dass man die Vstilagineen, welche in Indien auf dem Reis vorkommen, untersuche, um in Erfahrung zu bringen, ob die Urocystis oryzae dort in grösseren Mengen und ob sie überhaupt vorkommt. Eine Zeitungsnotiz in englischen Blättern, man habe- in Indien den Cholera- Reispilz aufgefunden, gibt keine Quelle an und kann daher nicht als authentische Nachricht angesehen werden. In neuerer Zeit hat sich eine scheinbare Meinungsverschiedenheit darüber erhoben, ob die kleinen Organismen in den Cholerastühlen Eigen- bewegung haben oder nicht. Dieser Zwiespalt ist aber in der That gar nicht vorhanden, sondern beruht lediglich auf einem Missverständniss. Dass in den Cholerastühlen Micrococcus mit Eigenbewegung vorkomme, ist wohl von Niemand in Zweifel gezogen worden. Schon frühere Beob- achter, vs-ie z. B. Pacini i), sprachen von infusorienartigen Köiiierchen. Eine ganz andere Frage aber ist es, ob man diese mit Schwänzen ver- sehenen oder die stets daneben und meist weit massenhafter auftretenden gelblichen und bewegmigslosen Micrococcus-TiQWen als das Wesentliche anzusehen habe. Ich konnte mich nur für die letztgenannte Ansicht ent- scheiden. Der schwännende Micrococcus der Cholerastühle gehört dem Penicillmm crustaceimi Fr. an; dieser fehlt den Fäces niemals, wenn er auch in den Reiswasserstühlen oft weit massenhafter vorkommt. Er ist aber nicht immer in grossen Mengen im Cholerastuhl, während dagegen die gelblichen bewegungslosen Micrococcus-ZeWen ausnahmslos in grös- seren Mengen auftreten. Aber ich habe weit treffendere, ja beweisende Gründe für meine Behauptung, dass nicht der schwärmende, farblose, sondern der ruhende, bewegungslose meist gelbliche Micrococcus das Contagium sei, wenn es überhaupt ein pflanzUches Contagium gibt. In den Reisculturen, in den Culturen mit Urocystis oryzae, bildet sich näm- lich aus den Sporen der Cysten [Schizosporancjien], durch gelatinöses Auf- quellen der Sporenwand in Freiheit gesetzt, ein bewegungsloser Micro- coccus und dieser ist es, welchem die tiefgreifenden Zerstörungen einleitet. 1) A. a. 0. p. 10.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21959158_0069.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)