Historische Studien aus dem Pharmakologischen Institute der Kaiserlichen Universität Dorpat.
- Date:
- 1889-
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Credit: Historische Studien aus dem Pharmakologischen Institute der Kaiserlichen Universität Dorpat. Source: Wellcome Collection.
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![gesagt: vielleicht waren es alle in der Einleitung genannte; das Mutter- korn war aber entschieden auch mit dabei, da dasselbe im feuchten und heissen Klima Italiens besonders gut gedeiht und durch griechische Colo- nisten sehr leicht von Griechenland eingeschleppt werden konnte. Das genannte Kornbrandfest, bei dem eine Gottheit Robigus gegen das Be- fallenwerden der Saaten durch Robigo angerufen wurde, findet sich aücli bei Yarro, Columella und Ovid erwähnt. Diese Gottheit, welche bald männlich, bald weiblich vorkommt und mit der EovcußL] der Gorgonier und dem Egraißioc 'Attöümv der Bhodier identisch ist, erinnert uns unwillkürlich an die im Eingang dieses Vor- trages erwähnte Kornmutter, die ja auch als Kornvater verkommt und mit der Gottheit Robigo wohl gleichen mythologischen Ursprung haben dürfte. Ferner heisst das Mutterkorn noch jetzt im Neugriechischen ßofct toe<7ißon)rj;. In Cap. 44—45 desselben Buches kommt Plinius auf dieselbe Krank- heit zu sprechen, nachdem er vorher Windhaferbildung, Taumellolcli und orobanchenartige Kornschmarotzer abgehandelt hat. „Ein aus der Luft herrührendes, den, Feldfrüchten und 'Weinstöcken (?) nicht weniger schädliches XJebel ist der Brand. Er entsteht am häufigsten in thau- reichen Gegenden, in Thälern und da. ico kein Luftzug stattfindet; da- hingegen trifft man ihn nicht in solchen, welche dem Winde ausgesetzt sind und hoch liegen. — — Der Brand, dies grösste TJeitel der Saaten, geht aus dem Acker in die Blätter älter, wenn man Lorbeerzweige ') in das Land steckt.“ Also feuchte Niederungen begünstigen das Befallen- werden des Getreides, was für Mutterkorn ja vor allem gilt. Dass auch, nur eine der Kornkrankheiten durch Lorbeerzweige abgewendet werden könne, ist natürlich Fabel. Nach Cap. 18 leidet die Gerste von allen Getreidearten am wenigsten derartigen Schaden, weil sie „eher geschnitten wird als der Brand den Weizen befällt. Daher säen kluge Landleute den Weizen nur zum Futter.“ Nichtsdestoweniger unterscheidet unser Autor in demselben Ca- pitel unter den Gerstenkörnern neben langen, leichten, runden und weissen auch ,,schwarze oder purpurne11, was wohl jedem kritischen Leser sehr verdächtig Vorkommen muss. Erscheint uns danach die Gerste des Plinius als vielleicht mutterkornhaltig, so gilt dies von seinem Roggen noch viel mehr, da er ihn folgendermassen in Cap. 40 beschreibt: „Der Roggen ist eine der schlechtesten hornarten und dient nur zur Verhütung con Hungers- noth. Sern Hahn ist con traurig schwarzer Farbe, er schmeckt bitter und bekommt, selbst wenn man ihn mit anderm Getreide mischt, dem Magen nicht, gut.u Was kann dies für ein bitter schmeckender, Magen- beschwerden veranlassender Roggen sein? Auf den mutterkornhaltigen dürfte diese Beschreibung gut passen, namentlich wenn wir die schwarze Farbe statt auf den Halm auf die Aelire beziehen. Derartige kleine ‘) Aus Geopon. II, 30 ersehen wir, dass man Lorbeerblätter unter die Gerste mischte, wenn man sie für längere Zeit gegen Ungeziefer (Kornwürmer) schützen wollte. Diese Bitte hat des antiparasitären Geruchs des Lorbeeröls wegen w^ohl Sinn. Vielleicht übertrug man diese Erfahrung fälschlich auf die Felder, indem man diese nun durch Lorbeerzweige ebenfalls glaubte gegen Para- siten schützen zu können.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21909775_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)