Historische Studien aus dem Pharmakologischen Institute der Kaiserlichen Universität Dorpat.
- Date:
- 1889-
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![Jahre später E. B. Camerarius ?) als etwas der wissenschaftlichen Welt ganz Unbekanntes mittheilen konnte, dass die deutschen Hebe- ammen sich des Mutterkorns ganz allgemein bedienten, um Contractionen des Uterus hervorzurufen. Die ersten Geburtshelfer, welche darauf hin es bei Gebärenden und Wöchnerinnen verwandten, waren der Holländer Eathlaw (1747) und der Franzose Desgranges * 2) (1777). Aber ihre Bemühungen fanden bei ihren ärztlichenCollegen keinen Anklang; man erwiderte sogar, das Mutterkorn sei ja ganz wirkungslos3), so dass nach ihnen die Kenntniss von der Brauchbarkeit des Mutterkorns als Arzneimittel wieder so gut wie ganz für die wissenschaftliche Welt ver- loren ging und im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts in Amerika durch die alle Volksmittel einzeln durchprobirende eklektische Schule, imd zwar durch Stearns und Prescott gewissermassen von Neuem aufkommen musste. Obwold die Wissenschaft sich seit dieser Zeit unablässig mit der Untersuchung der chemischen Zusammensetzung und der arzneilichen und giftigen Wirkungen des Mutterkorns auf Menschen und Tliiere be- schäftigt hat, ist es doch erst in den letzten Decennien gelungen, die auf diesem Gebiete vorliegenden Eäthsel theilweise zu lösen. Es war unser jetziger Dorpater Professor G. B. Brunner J). welcher 1860 die ersten feineren Nervenversuche über Mutterkorn machte. Unser ehemaliger Dorpater Pharmakolog Eudolph Buch he im5) beschäftigte sich selu- viel mit diesem Mittel. Sein Assistent und Nachfolger. Pro- fessor Oswald Schmiedeberg, mit seinen beiden Schülern Eng. Haudelin6) (in Dorpat) und Zweifel7) (in Strassburg) setzte die Untersuchungen nach der einen und unser Professor D ragender ff mit seinen beiden iieissigen Schülern Podwyssotzki5) und Blumberg ■>) nach der andern Eichtung hin fort. Auch der unserer Hochschule ent- stammende Moskauer Pharmakolog Sokolowski hat mit einem seiner *) Dissertatio de ustilagine frumenti. Tubingae 1703. 2) Sur la propriete qu’a le seigle ergote d’accelerer la marclie de l’accouche- nient. jSouveau Journ. de Med. I., p. 54. 3) Als Vertreter dieser ganz verkehrten Ansicht nenne ich Sclilaeger (\^6isuche jiiit dem Mutterkorn5 Cnssel 1<70)? Leidentrost (Duisburger Anzei°\ 1770, St. 47—49, und 1771 St. 1), Model (Untersuch, des Mutterkorns von Zeiher, Wittenberg 1771),^ Eschenbach (Bedenken von der Schädlichkeit des Mutter- korns; Rostock 1771) V. CI. Vogel (Schutzschrift für das Mutterkorn 1771), 1 itus hoehmei us (Disseitntio de constitut. epidem. Hulue <id Suluni inoue eius confinibus 1771—72 observata; sec-t. I., 2 und sect. II.) und andere. _ 4) Nonnulla de vi secalis cornuti. Dissert. inaug. Lipsiae 1860. [Es giebt übrigens in der .Geschichte des Mutterkorns noch einen zweiten Autor Brunner welcher einer viel früheren Zeit angehört. Vergl. über diesen Ephem Academ’ I.Armut Irl Iiaa III -i-» QAH r und Pliarniakol., hsgbn. von Schmiedeberg und Leopold. Dec. III., p. 300.] 5) Arcli. f. exp. Pathoh , ¥U11 uuumcuc Anderen, Bd. III 1874, p. 1. [Dieser Artikel wurde mehrfach abgedruckt, sc z. B. im Archiv der Pharmacie.] 6) Ein Beitrag zur Kenntniss des Mutterkorns in physiologisch-chemischer Beziehung. Inaug. Dissert, Dorpat 1871. - Bd IV fs75 p *387 Patllol‘ u‘ pliarmak-> bsgbn. von Schmiedeberg' u. Anderen, 8) Uragendorff u. Podwyssotzki ibid. Bd. IV, 187*7, p. 153. Dorpat\s77 Beitl’a* ZUr Kenntniss der Mutterkornalkaloide. Inaug. Dissert](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21909775_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)