Volume 2
Geschichte des Hellenismus / von Julius Kaerst.
- Kaerst, Julius, 1857-1930.
- Date:
- 1917-]
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Credit: Geschichte des Hellenismus / von Julius Kaerst. Source: Wellcome Collection.
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![gegebene Tradition ebenfalls voraussetzt, so können wir die gleiche Be¬ obachtung auch in bezug auf andere Momente des arrianischen Berichtes machen. Wenn Kleitos dem König vorhält, daß dieser seine Taten nicht allein vollbracht habe, sondern daß das Hauptverdienst daran den Make- donen beizumessen sei, so finden wir hier zwar nicht wie bei Plutarch die Verse aus Euripides’ Andromache (v. 693 ff.) erwähnt, in denen es getadelt wird, daß der Feldherr bei der Aufrichtung von Siegeszeichen allein den Ruhm ernte, der vor allem den Truppen gebühre, aber offenbar wird in der Äußerung des Kleitos bei Arrian eine solche Auffassung, wie sie in der Anführnng der Verse des Euripides ihren Ausdruck findet, vorausge¬ setzt. Ja, es wird bei Arrian (wie auch bei Curtius, der die Euripides- verse, allerdings in einer sehr unwahrscheinlichen Weise, anführt, VIII 1, 28 f.) dieses Motiv der Zurücksetzung der verdienten Soldaten im In¬ teresse des Ruhmes des Königs, das bei Plutarch nur ganz kurz gestreift wird und in seiner Darstellung deshalb fast unverständlich erscheint, aus¬ führlicher behandelt. Die Andeutung der Erörterungen über das Verhält¬ nis zu Philipp fehlt — wenigstens in einer bestimmten Richtung — auch bei Plutarch nicht völlig; sie findet sich in der Kleitos in den Mund ge¬ legten Äußerung c. 50 zu Ende: ccvrr\ {ievtoi ge ...rj öelUcc tov ex tUcöv . . . 7tEQLE7tOL7]GEy XCCL TCO MuXEÖoVCöV al'^LCCTL %CU TOlg TQttVfJLCcGt, TOVTOL£ EyEVOV trjhxovTog* coGte ’A^covi Gavzov eIgkoleiv aTtEiTid^iEvog QlIltctcov. Der Hin¬ weis auf die Rettung Alexanders durch Kleitos, aber ohne die charakte¬ ristische, bei Plutarch wiedergegebene Pointe — die Beziehung auf den Ammonsohn — ist auch bei Arrian IV 8, 7 erhalten. Indessen, so wie dieser Hinweis in den Zusammenhang der arrianischen Erzählung einge¬ fügt ist, erscheint er nicht ganz verständlich. Insbesondere wird die Ver¬ bindung dieser Äußerung des Kleitos mit seiner Hervorhebung der Ver¬ dienste Philipps und Herabsetzung der Taten Alexanders nicht recht deut¬ lich. Den Zusammenhang des Ausspruches des Kleitos mit den vorher¬ gehenden Erörterungen können wir nur dann verstehen, wenn ursprünglich ein Gegensatz, wie er bei Plutarch angedeutet ist, hat hervorgehoben wer¬ den sollen, nämlich der Gegensatz zwischen den über den Rahmen des nationalen makedonischen Königtums hinausgehenden Ansprüchen Alexan¬ ders und dem, was er tatsächlich eben dieser nationalen Grundlage seiner Monarchie, was er den Taten der alten Waffengefährten König Philipps verdankte. Daß eine Tradition, wie sie in den bei Plutarch c. 50 am Ende und c. 51 dem Kleitos zugeschriebenen Äußerungen sich ausspricht, Arrian im allgemeinen nicht unbekannt war, geht aus IV 9, 9 hervor. Der Inhalt des hier wiedergegebenen loyog berührt sich aber zugleich im wesentlichen wieder mit dem, was Arrian selbst schon vorher (IV 8, 4) als Grund der Unzufriedenheit des Kleitos anführt. Curtius (VIII 1, 39) gibt den Hin¬ weis auf die Lebensrettung des Königs durch Kleitos in eigentümlicher Verdrehung und fügt in seine Erzählung — wieder in verfälschender Zurechtmachung — auch die Erwähnung des Verhältnisses zu Ammon ein (VIII 1,42). Wir sehen also, wenn wir das Ergebnis dieser Erörterung zusammen¬ fassen, daß die uns erhaltenen Berichte über die Katastrophe des Kleitos](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29980732_0002_0549.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)