Volume 1
Geschichte des Hellenismus / von Julius Kaerst.
- Kaerst, Julius, 1857-1930.
- Date:
- 1917-]
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Credit: Geschichte des Hellenismus / von Julius Kaerst. Source: Wellcome Collection.
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![durkar kaum ein Zweifel bestehen, daß dieses Oberpriestertum sich vornehmlich auf den Kult des Königs bezieht. Danach könnte also diese Inschrift für eine Einsetzung des eponymen Reichskultes durch Antiochos III. zu sprechen scheinen. Indessen meine ich, daß sie eher einen entgegengesetzten Schluß nahelegt. Die Verbindung der Strategie mit dem Oberpriestertum, das zugleich die allgemeinere Be¬ deutung einer obersten sakralen Würde in der Provinz zu haben scheint, macht den Eindruck, daß wir hier noch eine weitere Aus¬ gestaltung der in der Inschrift von Durdurkar erwähnten Einrichtung haben, würde also sehr wohl zu einer etwas späteren Zeit, als die der ersten Einrichtung des Kultes sein würde, passen. Es ist aber nicht zu verkennen, daß der Boden für solche Schlußfolgerungen noch ein einigermaßen unsicherer ist.1) Auch über das Verhältnis dieses epo¬ nymen Kultes des regierenden Königs zu dem seiner Vorfahren läßt sich aus der Inschrift kein sicheres Urteil gewinnen. Der Wortlaut der Stelle Z. 28f.: fj.srä rovg xwv [re cbv2) Kal rj^&v aQ%i£Q£i<; scheint nur eine Verbindung des Kultes des Königs mit dem der Götter zu enthalten, also den der vorangegangenen Herrscher der Dynastie nicht einzuschließen.3) Andererseits muß es allerdings wieder als auf¬ fallend erscheinen, wenn der Kult der früheren Könige der Dynastie, der damals doch sicher bestanden haben muß, ausgeschlossen sein sollte. Es bleiben hier also noch manche besondere Fragen un¬ gelöst. Das für uns historisch Wichtige, worüber ja auch keine Un¬ sicherheit obwalten kann, ist die Tatsache dieses Reichskultes selbst, ist die eigentümliche Form, in der er als ein sakraler Ausdruck der provinzialen Organisation des Reicns erscheint. Die Eigenart des seleukidischen Herrscherkultes ist aus den be¬ sonderen Bedürfnissen des seleukidischen Reiches erwachsen. Die Verschiedenheit von dem ptolemaeischen Königskulte gründet sich vor allem auf die Verschiedenheit der Herrschaftsbildungen. 1) Es kann ja auch nur als ein wahrscheinlicher aber nicht als ein ganz sicherer Schluß gelten, daß das eponyme Provinzialpriestertum des Königs von unserem König Antiochos zuerst eingeführt worden sei. Die Worte der Inschrift Z. 23 f. xa&aTZSQ [jiavxayov xadsovrjxaoiv x]arä rrjv ßaode[t]a[v rj/Mov a.Q%]ieQeZg machen diese Deutung nicht unbedingt notwendig, sie lassen es wenigstens als nicht ganz un¬ möglich erscheinen, daß ein solcher Kult des Königs schon vorher bestanden und daß unser Antiochos bloß den besonderen Kult der Königin zuerst begründet habe. 2) Diese Lesung ist allerdings wohl nicht völlig gesichert, scheint aber die paläographisch wahrscheinlichste zu sein. 3) Jedenfalls hat Kornernann a. O. S. 79 Z. 12 (womit ich die Aus¬ führung auf S. 83 nicht völlig in Einklang bringen kann), die Verbindung mit der Verehrung der Vorfahren in unserem eponymen Reichskulte nach dem Wortlaute der Inschrift viel zu bestimmt angenommen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29980732_0001_0418.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)